Erster Schritt Richtung Katar

von Redaktion

Furios vor allem am Anfang: 3:0 gegen Island – DFB sichert sich Musiala

VON GÜNTER KLEIN

Duisburg/München – Niemand empfindet Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar, dennoch ist für die deutsche Nationalmannschaft eine souveräne sportliche Qualifikation Pflicht. Den ersten Schritt dazu hat sie getan: In Duisburg besiegte sie gestern Abend Island 3:0 (2:0). Die Tore erzielten Leon Goretzka, Kai Havertz und Ilkay Gündogan.

Man schaut seit Corona grundsätzlich genau hin, wie nahe Spieler sich kommen, ob sie beim Abspielen der Nationalhymne, wie 2006 eingeführt, den Arm freundschaftlich um den Nebenmann legen. Gestern wurde der Blick dafür geschärft, weil nach einem positiven Testergebnis für den Mönchengladbacher Jonas Hofmann die Veranstaltung auf der Kippe stand, doch es wurde nur ein Kollege als unmittelbare Kontaktperson definiert: Marcel Halstenberg. Zwei weniger also im Kader. Die elf zum Start Aufgestellten vertrauten auf ihre Testungen: Zumindest wurde Umarmung light praktiziert: Hand auf die Schulter. Und man stellte sich noch ein weiteres Mal auf. Wer neben wem, das war einstudiert, denn jeder Spieler trug ein T-Shirt mit einem großen Buchstaben. Es ergab sich der Schriftzug „HUMAN RIGHTS“ – Menschenrechte. Eine Aktion, die aus der Mannschaft kam. Denn an mündigen Profis darf die Diskussion um die politische Lage in Katar nicht unkommentiert vorbeiziehen. Und schließlich geht es ab jetzt darum, den Weg zu diesem umstrittenen Turnier 2022 einzuschlagen.

Dass sie gewillt ist, in den neuen Wettbewerb mit Elan einzusteigen, zeigte sie bereits in der Anfangsphase. Zwei perfekte Angriffe der druckvollen Deutschen in den ersten sieben Minuten, und am Ende der Ballstafetten stand der präzise flache Schuss ins Eck des isländischen Tores. In der 2. Minute traf Leon Goretzka zum 1:0, in der 7. Kai Havertz zum 2:0. Beide Angriffe liefen wesentlich über Joshua Kimmich, auch Leroy Sané hatte jedes Mal die Füße im Spiel, zum zweiten Tor spielte er einen klugen Rückpass zum Schützen Havertz. Beim 1:0 hatte Serge Gnabry für Goretzka aufgelegt, der zum Jubel entschlossen auf seine Brust klopfte. Die Bayern – Torwart Manuel Neuer ergänzte die Münchner Fünfer-Formation – prägten das Spiel.

Island wirkte nicht wie das Team, das bei der EM 2016 mit seiner Fußball-Kultur den ganzen Kontinent verzaubert hatte. Gut, es sind alles fünf Jahre älter geworden, mit einem Schnitt von über 30 ist das Team nahe an der AH-Spielberechtigung. Ein bisschen was ging gegen die deutsche Abwehr in er 27. Minute, da kam Sigurjonsson aussichtsreich zum Schuss, der von Antonio Rüdiger abenteuerlich abgefälscht wurde – aber am Kasten vorbei. Eine Viertelstunde später wurde Abwehrmann Rüdiger aber auf der anderen Seite gefährlich: Sein Kopfball wäre fast das dritte Tor gewesen.

Island traute sich mehr zu Beginn der zweiten Halbzeit, attackierte die Deutschen schon in deren Strafraum. Eine Prüfung für die Problemzone Abwehrkette: Kann sie sich aus dem Druck solide herauskombinieren? Sie verlor nicht den Kopf, befreite sich aus der Pressing-Phase, und ein Tor half, den Gästen die klaren Verhältnisse aufzuzeigen. Ilkay Gündogan demonstrierte seine Manchester-City-Hochform, wackelte seine Bewacher kurz aus, verschaffte sich freie Schussbahn und setzte den Ball aus 20 Metern sauber ins Eck – 3:0 in der 56. Minute. Serge Gnabry war in der 71. Minute nahe am 4:0 – sein Schuss traf den Pfosten.

Bundestrainer Joachim Löw konnte das Spiel als eingetütet betrachten, der klare Spielstand gab ihm die Gelegenheit, einen Schritt in die Ära nach seiner als Bundestrainer einzuleiten. In der 79. Minute wechselte er unter anderem den Münchner Jamal Musiala ein, somit hat sich der 18-Jährige, der in den U-Mannschaften für England angetreten war, für alle Zeiten in Deutschland festgespielt. Denn es war kein Freundschaftskick, der da im leeren Duisburger Stadion ausgetragen wurde, sondern ein ernsthaftes WM-Qualifikationsspiel. Der Beginn von etwas Neuem. Ans 0:6 von Spanien aus dem vergangenen November dachte man an diesem Abend nicht mehr. Erleichterte Mienen – auch bei Joachim Löw.

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