Zweite Formel-1-Corona-Saison

Heikler Ritt mit Kick durch Mick

von Redaktion

WOLFGANG SPORER

Da freut sich die Kundschaft! Das Sportgeschäft Formel 1 hat endlich wieder geöffnet, die behelmten Mitarbeiter versorgen das Klientel wieder mit begehrter Markenware – Tempo-Action, Motorengebrüll und Nervenkitzel. Der ganze PS-Laden inszeniert beim Neustart möglichst viel alte Normalität. Tut so, als sei fast alles schon wieder wie früher. Aber das stimmt natürlich nicht.

Die Pandemie bleibt – zumindest vorerst – ein bedrohlicher Begleiter, die WM-Tour rund um den Globus ein Ritt auf der Rasierklinge. Die F1-Macher aber fürchten sich nicht – und geben jetzt erst recht Gas. Sie haben der zweiten Corona-Saison ein XL-Programm mit 23 (!) Rennen verpasst, nach dem Motto: Du gehst uns am Heck vorbei, Virus! Geldverdienen hat Vorfahrt! Weniger Aufgeblasenheit wäre in diesen Zeiten sicher angebrachter. Aber Zurückhaltung und Demut waren noch nie Kennzeichen der Formel 1.

Aus Sicht der Fans freilich kann es gar nicht genug WM-Raserei geben. Ist schließlich auch Ablenkung vom derzeit oft bedrückenden Lebensalltag. Und gerade für die deutschen Motorsportfreunde hat die neue Saison Prickelndes im Angebot. Zum einen den Kick durch Mick: Der Name Schumacher ist zurück – da ploppen sentimentale Erinnerungen auf an den großen Meister Michael, den Vater, die Legende. Irgendwie fühlt es sich an, als sei die Zeit zurückgedreht. Und alle fragen sich: Liefert Schumi junior im Haas erste Hinweise, dass auch er zu einem Helden der Königsklasse reifen kann?

Spannend zudem: Wohin geht Vettels Reise? Neues Team, spätes F1-Glück nach dem Karriereknick als Ferrari-Lenker? Mit 33 hat der viermalige Weltmeister jetzt im Aston Martin vielleicht noch mal die Chance, mit einem Mercedes-Motor die Kurve zurück zum Erfolg zu kriegen. Sein Kampf um ein Comeback als Siegertyp und Vettelfinger-Zeiger – auch das für viele Fans etwas Spezielles zum Mitfiebern.

Und dann wäre da noch die historisch bedeutsame Masterfrage: Befördert sich Hamilton heuer zum alleinigen Rekordweltmeister? Ist er tatsächlich dreist genug, sich mit Titel Nummer acht an Michael dem Großen vorbeizudrängeln? Wehe, Bursche! Nein, es wäre eine Superleistung, die Verneigung verdient.

Also dann: Ampeln auf Grün für eine außergewöhnliche WM-Hatz. Für eine Show in Krisenzeiten, heikel und reizvoll zugleich. Jedenfalls gute Fahrt, die Herren! Bitte alle immer heil ankommen!

wolfgang.sporer@ovb.net

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