Die Sonderrolle des Profifußballs wurde am Donnerstag mal wieder besonders deutlich. Ein deutscher Nationalspieler – Gladbachs Jonas Hofmann – wurde kurz vor dem Start in die WM-Qualifikation gegen Island positiv auf das Coronavirus getestet. Er begab sich umgehend in Isolation. Der Leipziger Marcel Halstenberg wurde zudem als Kontaktperson ersten Grades eingestuft, er verließ das DFB-Quartier in Düsseldorf innerhalb kürzester Zeit.
Und trotzdem reiste die deutsche Nationalmannschaft am Abend nach Duisburg und trat wie geplant gegen Island an.
Ein ganz anderes Bild bot sich zeitgleich in Hannover. Die Bundesliga-Handballer des TSV Hannover-Burgdorf mussten sich wegen eines Corona-Falls in Quarantäne begeben – das gesamte Team wohlgemerkt. Das für Donnerstagabend angesetzte Spiel gegen Ludwigshafen wurde abgesagt.
Zwei Sportarten, zweierlei Maß! In diesem Fall nimmt der Profifußball zweifelsfrei eine Sonderrolle ein. Nur: Er kann nicht wirklich etwas dafür. Bei einem positiven Testergebnis entscheidet das örtliche Gesundheitsamt, wie es weitergeht. In Hannover wurde die Team-Isolation angeordnet, in Düsseldorf nicht. Der Fußball wehrt sich freilich nicht gegen diese augenscheinlichen Privilegien. Daraus einen Vorwurf zu konstruieren, wäre zu einfach.
Viel interessanter ist, warum Handballer oder Basketballer schneller in Quarantäne geschickt werden als König Fußball. Die Hygienekonzepte der Ligen schenken sich kaum etwas, Kontaktpersonen ersten Grades sollen überall vermieden werden. Und doch klappt das nicht immer – weder beim Fußball, noch bei anderen Sportarten. Die Handhabe in Corona-Zeiten zeigt deutlich, dass der Profifußball eine Lobby in Deutschland hat, mit der im Sport niemand mithalten kann.
Neu ist das nicht, unfair aber jedes Mal aufs Neue. JONAS AUSTERMANN