Düsseldorf – Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß rät der Europäischen Fußball-Union (UEFA) zur Reduzierung der Anzahl der EM-Gastgeberstädte. „Ich würde der UEFA empfehlen, darüber noch einmal zu beraten und die Städte vielleicht auf sechs oder acht zu reduzieren, damit das übersichtlicher wird“, sagte Hoeneß am Sonntagabend in seiner Rolle als Nationalmannschaftsexperte bei RTL. Geplant ist das Turnier in diesem Sommer (11. Juni bis 11. Juli) bislang in zwölf Städten, die Corona-Pandemie könnte die UEFA nach der Verschiebung im vergangenen Jahr aber erneut zum Handeln zwingen.
Der RTL-Experte vom Tegernsee erwartet ein Umdenken der EM-Organisatoren. „Die Idee war prima vom Ansatz her, Europa muss zusammenwachsen“, sagte Hoeneß und wandte ein: „Aber damals gab es noch keine Pandemie.“ Dieser veränderten Lage müsse nun Rechnung getragen werden.
Für Aufregung hatten zuletzt Aussagen von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin gesorgt, denen zufolge nur jene Städte EM-Gastgeber bleiben dürfen, die eine Zulassung zumindest einiger weniger Zuschauer garantieren können. „Ich glaube, dass der Sport gut beraten ist, die Regeln in den Ländern auch zu beachten“, sagte Hoeneß: „Ich kenne Herrn Ceferin als vernünftigen Mann und kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass er das wirklich durchziehen will.“
In München, wo die drei Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft sowie ein Viertelfinale stattfinden sollen, gebe es „zu 100 Prozent“ ein Konzept für die Durchführung von Spielen mit Zuschauern, sagte der 69-Jährige. Es sei aber nicht klar, wie sich die Corona-Lage bis zum Sommer entwickle. „Eines muss immer klar sein: Die Gesundheit der Zuschauer und Bürger ist die oberste Priorität“, sagte Hoeneß.
DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat trotz der jüngsten Ceferin-Aussagen keine Angst um die Landeshauptstadt München als EM-Standort. Bereits vorige Woche im Rahmen der DFB-Lehrgänge sagte der frühere Nationalstürmer: „Ich hatte das Gefühl, dass Ceferin einfach mal austesten wollte, wie die Situation ist. Er wollte vielleicht auch den Druck auf die jeweiligen Standorte austesten, richtig aktiv zu werden.“
Auch Bierhoff verbat sich einen rigorosen Kurs durch den kontinentalen Dachverband als EM-Ausrichter. „Ich glaube, es ist am Ende auch wichtig, dass die UEFA akzeptiert, welche Regeln und Vorgaben in den jeweiligen Ländern auch gegeben sind“, sagte der DFB-Direktor. Nach seinen Informationen plane die UEFA weiterhin mit allen Spielorten. Es sei aber grundsätzlich auch eine Reduzierung auf ein Minimum von acht Standorten möglich. Eine finale Entscheidung über den EM-Modus soll erst im Laufe des Aprils fallen. bok