London – Seine erste Niederlage mit dem FC Chelsea war auch eine besonders heftige: Während der 2:5-Klatsche gegen West Bromwich Albion griff sich Trainer Thomas Tuchel am Spielfeldrand mehrfach fassungslos an die Stirn. „Es ist wichtig, dass wir das verdauen“, sagte er dann nach dem Abpfiff, „denn es ist eine Menge zu verdauen“. Die Heimpleite war ein harter Rückschlag im Kampf um einen Champions-League-Platz. Plötzlich sitzt Tuchel sein deutscher Trainerkollege Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool wieder im Nacken. Beim 3:0-Auswärtssieg gegen Arsenal präsentierte sich der noch amtierende Meister nach langer Zeit wieder in Bestverfassung.
Der FC Chelsea war gegen West Brom eine knappe halbe Stunde lang das überlegene Team und ging durch den Ex-Dortmunder Christian Pulisic (27. Minute) verdient in Führung. Doch als Thiago Silva zwei Minuten später Gelb-Rot sah, gerieten die Blues mit Nationalspieler Timo Werner in der Sturmspitze völlig aus dem Konzept.
„Wir haben vor der Halbzeit zwei sehr leichte Gegentore kassiert“, sagte Tuchel über den Doppelpack des Ex-Nürnbergers Matheus Pereira (45.+2/45.+4). „Mit unserer Qualität ist es absolut unnötig, fünf Gegentore zu kassieren, auch wenn man einer weniger ist.“ Noch dazu gegen den Tabellenvorletzten. Callum Robinson (63./90.+1) und Mbaye Diagne (68.) machten die Chelsea-Blamage perfekt. Mehr als das Tor von Mason Mount (71.) gelang den Blues nicht mehr.
Zuvor war Chelsea in 14 Spielen unter Tuchel unbesiegt. „Wenn wir auf dieses Spiel in vier Wochen zurückblicken, können wir es hoffentlich einen Weckruf nennen“, sagte der 47-Jährige, der gerade zum „Trainer des Monats“ der Premier League gekürt wurde. Zunächst geht es morgen im Viertelfinalhinspiel der Königsklasse gegen den FC Porto.
Um einen Champions-League-Startplatz in der nächsten Saison müssen die Blues weiter zittern, denn Liverpool rückte in der Tabelle bis auf zwei Punkte heran. „Das war ein wichtiges Statement von uns“, sagte der strahlende Liverpool-Coach Jürgen Klopp nach dem 3:0-Erfolg in London. „Wir müssen zeigen, dass wir dafür kämpfen.“
Beim schwachen FC Arsenal war der Meister klar überlegen, aber erst nach einer Stunde erlöste Diogo Jota die Klopp-Elf. Der Portugiese, der im Januar und Februar verletzungsbedingt gefehlt hatte, traf zwei Minuten nach seiner Einwechslung und legte später nach (64./82.). Mohamed Salah (68.), in dieser Spielzeit oft kritisiert, erzielte immerhin sein 18. Saisontor – in der Vorsaison waren es insgesamt 19. „Liverpool sieht wieder wie Liverpool aus“, lobte der „Telegraph“ vor dem Champions-League-Match bei Real Madrid am heutigen Dienstag. dpa