Welches Wort passt besser?

Sich bekennen oder nur committen

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

In der Endphase einer Saison ist es eine Überwindung, Fußball zu schauen. Wegen der Interviews nach dem Spiel. Sie nerven wegen sprachlicher Überhöhung. Verlangt werden von den Fragenden in dieser hektischen Zeit, in der viele Blicke schon aufs nächste Jahr gerichtet sind, „Bekenntnisse“.

Wir kennen von Thomas Mann die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, und meist im Kontext von Gewalttaten vernehmen wir von „Bekennerschreiben“. Vor Gericht sagt ein Angeklagter: „Ich bekenne mich schuldig.“ Bekennen hat den Klang des Ultimativen – und der passt nicht zur Arbeitswelt Fußball, in der ohnehin nur Verträge auf Zeit abgeschlossen werden. Also gibt es kein moralisches Recht, etwa von einem Trainer zu verlangen, er müsse sich zu einem Verein bekennen. Oder diese Art Schwur von einem Manager in Bezug auf einen Trainer zu fordern. Meist werden diese Bekenntnisse von einer Seite angefragt, die gar nicht Partei ist, sondern emotional außenstehend sein sollte: den Medien.

Adi Hütter muss sich nicht zu Eintracht Frankfurt bekennen – er müsste auch so entscheiden dürfen: Mehr als die Mannschaft in die Champions League zu bringen, kann ich nicht schaffen, und mit diesem großen Glücksempfinden möchte ich gehen. In Köln muss Horst Heldt sich nicht zu Markus Gisdol bekennen, weil er mit einer Festlegung auf die Option verzichten würde, Schaden vom Verein abzuwenden. Erling Haaland muss sich nicht zu Borussia Dortmund bekennen, weil er 20 ist und nicht vor hat, dort mit 30 noch zu sein. Hansi Flick muss kein Bekenntnis zum FC Bayern ablegen – er könnte sagen: Wenn ich Bundestrainer bin, verlieren die Münchner Spieler und ich uns doch auch nicht aus den Augen; wir können sogar leichter Freunde bleiben.

„Bekenntnisse“ haben eine Schwere, die es später nur unmöglich macht, dass man sich sauber trennt. Und irgendwann trennt man sich eben im Fußball (außer Freiburg und Christian Streich). Da ist einem der alternative Begriff, den der Profifußball sich angeeignet hat, weil er auch Big Business sein will, noch lieber: sich committen. Über ein gebrochenes – oder schonender: nicht eingelöstes – Commitment geht man doch viel leichter hinweg.

Guenter.Klein@ovb.net

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