Wann kann man einen Trainer entlassen? Ist die Königsklasse schon gesichert? Wie lange braucht man für 100 Siege?

von Redaktion

1. FC Köln

Wenn man sich so umhört in der Fußballszene, ist die nächste Trainerentlassung klar: Markus Gisdol steht beim 1. FC Köln vor dem Aus. Die in den heißen Abstiegskampf mitinvolvierten Clubs haben alle schon diesen Personal-Joker gezogen, Köln noch nicht. Schon von daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der FC in diese Richtung reagiert. Zumal Markus Gisdol schon in der Rückrunde der vorangegangenen Saison schlechte Ergebnisse lieferte und von einem guten Start seiner Amtszeit zehrte. Auch 2020/21 konnte er immer wieder Resultate vorzeigen, die dem 1. FC Köln Hoffnung gegeben haben. Und: Es ist auch nicht jede Niederlage geeignet, sie zum Anlass für eine Trennung zu nehmen. Man kann schließlich auch ehrbar verlieren – wie Köln nun beim unfassbar stabilen VfL Wolfsburg, der sich für die Champions League qualifizieren wird. Ein 0:1 in einem Auswärtsspiel ist kein Kontrollverlust.

Allerdings steht Gisdol ein klassisches Schicksalsspiel bevor. Es geht gegen Mainz- Sechzehnter empfängt den zwei Punkte entfernten Fünfzehnten. Danach sollte der Sechzehnte selbst Fünfzehnter sein. Also: Drei Punkte sind Pflicht. „Ja, Markus wird am kommenden Samstag auf der Bank sitzen“, erklärte Kölns Sportchef Horst Heldt. 1,09 Punkte sind Gisdols Durchschnittsertrag aus 50 Spielen mit dem 1. FC. Er muss den Schnitt verbessern. Sonst: Jüngst im „Doppelpass“ wirkte der zuletzt bei Fortuna Düsseldorf geschasste Friedhelm Funkel sehr bereit, sein Rentnerdasein für eine Rettungsmission zu unterbrechen. FC-Trainer war auch er schon mal (2002 – 03). Wegen seiner karnevalistischen Einlagen nannte man ihn „Schunkel-Funkel“.

Eintracht Frankfurt

2:1 in Dortmund gewonnen, sieben Punkte Vorsprung auf Platz fünf – es war ein großartiges Wochenende für Eintracht Frankfurt. Wie sagt man so schön? Zum Greifen nahe ist die Qualifikation für die Champions League – erstmals in der Vereinshistorie.

Dann würde die einfache Rechnung aufgehen, die man immer gemacht hatte. Die Eintracht galt als Team, das dank Manager Fredi Bobic so gute Transfers getätigt hatte, dass es sich für die Europa League qualifizieren kann. In diesem Wettbewerb kam die Eintracht dann auch immer recht weit, was ihr jedoch zusätzliche Belastung aufbürdete und sich negativ auswirkte auf das Abschneiden in der Liga. Jedoch (und nun sind wir bei der Rechnung): Wenn die SGE sich mal auf die Bundesliga konzentrieren kann, dann wird sie vielleicht mal Vierter. Okay, möglich.

Allerdings: Es kommen schwere Spiele. Zunächst geht es gegen den VfL Wolfsburg, der die Rückrunde nicht weniger stark spielt als Frankfurt. Danach: Mönchengladbach, das sich verzweifelt nach einem internationalen Startplatz streckt und – Indiz: die VAR-Abseitsentscheidung, die Freiburgs Ausgleichstreffer aufhob – nach Wochen des Misslingens wieder Glück zu haben scheint. Zudem wird die Eintracht die Frage nach ihrem Trainer beschäftigen: Auch Adi Hütter ist umworben, auch er hat eine Ausstiegsklausel im Vertrag stehen. Zu den Interessenten gehört wohl Mönchengladbach. Es kann alles noch hochbrisant werden.

FC Augsburg

„La Decima“ nennt der FC Augsburg in ironischer Anlehnung an die einstige Champions-League-Siegparole von Real Madrid die Tatsache, dass er bereits die zehnte Saison der Bundesliga angehört. Im Verlauf von „La Decima“ haben die Schwaben nun einen runden Sieg gefeiert: Das 2:1 gegen Hoffenheim war ihr 100. in der Bundesliga. Was das besagt: Etwa zehn Erfolge pro Saison kann ein Club zwischen Abstiegs und Mittelklassekandidat pro Jahr feiern. Der FCA ist Elfter. Neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz verspielte unter diesen Umständen noch kein Verein. Trotzdem sind die Fans unzufrieden wie lange nicht, weil die Mannschaft viel zu selten auf Sieg spielt und nur kontert – auch daheim. Siege müssen sich halt auch so anfühlen. GÜNTER KLEIN

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