Eishockey im Saisonendspurt

Ausscheiden, ohne zu verlieren

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Dreizehn Monate ist es nun her, dass das Eishockey als erste Sportart in Deutschland sagte: Ende der Vorstellung. Das Coronavirus ist zu gefährlich, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten – und unser Spiel im klinischen Ambiente einer leeren Halle nicht vorstellbar. Es gab keine Meister, keine Auf- und Absteiger. Obwohl von allen Seiten die Entscheidung als umsichtig gelobt wurde: Sie war für das Eishockey traumatisch. Eine Saison ohne Playoffs und WM war keine Saison.

Die damalige Hoffnung, die Pandemie würde durch den Sommer und mit der Zeit einfach vertrieben, erfüllte sich nicht. Es war eine beachtliche Leistung, dass das Eishockey es schaffte, dennoch und ohne Zuschauer in den Stadien zur neuen Saison anzutreten. Die DEL als deutsche Vorzeigeliga hatte zudem das Glück, dass ihr später Beginn Mitte Dezember zusammenfiel mit schärferen Kontaktbestimmungen seitens der Politik; das schützte die Teams. Auch die Absage der Champions League war ein richtiger Schritt, die Aussetzung des (eh nicht lukrativen) internationalen Spielverkehrs verhinderte Infektionen, wie der Fußball sie sich bei seinen Reisen einhandelte. Das Eishockey hat vieles richtig gemacht.

Trotzdem kann es ihm jetzt passieren, dass es die Saison nicht reibungslos zu Ende bringt. Weil die Pandemie in eine Phase gerät, in der sie mit den Virus-Mutanten zu stark ist, um Ansteckungen aus Mannschaftskreisen herauszuhalten. Die NHL, die sicher noch professioneller agiert als die DEL, hat schwere Fälle von Ansteckungen. Einmal eingeschleppt, scheint das Virus unter den Kältekammer-Bedingungen des Sports leichtes Spiel zu haben.

In Deutschland geht es nun in die Playoffs. Die Zeit des Jahres, die die sportliche beste ist. Das liegt mit an ihrem Schlag-auf-Schlag-Kalender, der aber keinen Spielraum mehr bietet. Konkret: Ein Team kann ausscheiden, ohne verloren zu haben. Ein paar Tage Teamquarantäne-Anordnung durchs örtliche Gesundheitsamt können fürs Aus genügen. Und ja, es kann sich auch im Nachhinein herausstellen, dass eine Quarantäne ungerechtfertigt war. Oder strittig wie im Fall der Iserlohn Roosters.

Auf die Gesellschafter der Ligen könnte noch eine große Aufgabe zukommen: solidarisch sein, auch wenn es wehtut, schlucken, was als Niederlage empfunden werden könnte, und nicht triumphieren, wenn man einen Erfolg auch den Umständen verdankt. Anspruchsvoll.

Guenter.Klein@ovb.net

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