München – Jetzt hat sich Hansi Flick also selbst einen Maulkorb verpasst. Der Bayern-Trainer will sich in Zukunft nicht mehr zu Auseinandersetzungen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic, dem Rüffel von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (Text unten) und seiner Trainer-Zukunft beim FC Bayern oder bei der Nationalmannschaft äußern. „Nächste Frage“, wird in Zukunft die Standardantwort lauten, wenn Fragen auf Pressekonferenzen oder in Interviews in diese Richtung abzielen. Das kündigte Flick am Freitag im Rahmen der 70. Cyber-Presserunde seit Beginn der Corona-Pandemie an. Hansi hat die Nase voll.
Doch bevor sich Flick sein persönliches Schweigegelübde auferlegte, nahm er ein letztes Mal Stellung zu den aus seiner Sicht unangenehmen Themen eines Bayern-Trainers – und legte dabei gegen seine Vorgesetzten nach. Den ersten Seitenhieb verpasste er in seinem Eingangsplädoyer Salihamidzic: „Ich bin jetzt eineinhalb Jahre Cheftrainer. Ich habe eine Mannschaft vorgefunden, es hat sich entwickelt. Wir hatten letztes Jahr eine Mannschaft, die qualitativ, das weiß jeder, besser war als dieses Jahr.“ Eine klare Kritik an der Transferpolitik des Sportvorstandes. Es ist das erste Mal, dass Flick öffentlich so deutlich über die Qualität seiner aktuellen Mannschaft urteilt. Wie das wohl bei Spielern wie seinem Königstransfer Leroy Sané ankommt?
Dabei ist Flicks größtes Plus als Trainer sein überragendes Standing in der Kabine. Daher sagte er auch: „Ich bin absolut fokussiert auf meine Mannschaft, ich unterstütze meine Mannschaft, weil ich auch das spüre, dass meine Mannschaft absolut loyal mir gegenüber ist. Und das sind die Dinge, die entscheidend sind. Wenn ein Team zusammenhält, da sind alle mit dabei, das Trainerteam, da ist der Staff mit dabei und jeder einzelne Spieler.“
Auf spätere Nachfrage, ob Flick die Bosse bei dieser Aufzählung bewusst unerwähnt ließ, antwortete der Bayern-Trainer: „Nächste Frage.“ Das lässt freilich viel Interpretationsspielraum. Flick beteuerte allerdings, dass er versuche, das Ganze so zu lösen, so zusammenzuarbeiten, dass es im Sinne des Vereins sei: „Und alles andere, was ansonsten an Störfeuern kommt, das kommt nicht von mir.“ Da sich Salihamidzic bisher bei Fragen nach seinem Verhältnis zu Flick stets diplomatisch zeigte, zielt diese Aussage in Richtung Rummenigge und Ehrenpräsident Uli Hoeneß, den Flick jüngst für seine Ansichten über eine mögliche DFB-Rückkehr von Jerome Boateng kritisierte.
Gleichzeitig gestand Flick, dass er nicht ganz unschuldig am Bayern-Pulverfass ist: „Und ja, die Dinge, die ansonsten reingetragen werden – ich weiß, das ist auch im Vorfeld von mir ein bisschen gewesen, wo ich eine Teilschuld dran habe.“ So wie beim noch immer fehlenden Bekenntnis zu seinem Trainerjob beim FC Bayern in der Bundestrainer-Diskussion.