VfL Wolfsburg
Der VfL Wolfsburg spielt eine fantastische Rückrunde, und auch wenn er nun ein Spiel verlor, so gestaltete er die Niederlage so, dass das Spiel attraktiv war – 3:4 in Frankfurt, mehr Spektakel war an diesem Spieltag nirgendwo. Der VfL hat auch Spieler, denen man gerne zusieht: Ridle Baku, der nach Toren so herzhaft lacht (zum bereits sechsten Mal in dieser Saison), Maximilian Arnold. der beweist, dass man auch ein Sportlerleben lang am Standort Wolfsburg glücklich sein kann, und Wout Weghorst, die Tormaschine. Großer Kerl, aber geschmeidig in seinen Bewegungen.
Am Samstagabend war Weghorst dann zu Gast im ZDF-Sportstudio. Und zunächst sympathisch. Tatsächlich, und als wäre man bei „Wetten dass . . .?“: Wenn Moderator Jochen Breyer ihm das Datum und den Gegner nannte, konnte Weghorst die Entstehung des Tores nacherzählen und die beteiligten Personen benennen. Allerdings kam das Gespräch dann auf den großen Komplex Pandemie. Jochen Breyer, die wohltuende Erscheinung unter den Sportstudio-Moderatoren, rief noch einmal einen Beitrag des Niederländers auf den sozialen Medien auf: Weghorst hatte Corona als harmlos dargestellt – und sich gegen Impfungen positioniert: „Stell dir vor, es gibt einen Impfstoff, der so sicher ist, dass du bedroht werden musst, ihn zu nehmen – für eine Krankheit, die so tödlich ist, dass man getestet werden muss, um zu wissen, dass man sie hat.“ Für Breyer „reinstes Verschwörungs-Vokabular.“ Obwohl der VfL zehn Fälle im Team hatte und bei Verteidiger Marin Pongracic einen, bei dem lange nach der Infektion Einschränkungen zu spüren waren. Damals hatte sich Wout Weghorst – unter Druck der Vereinsführung – für seinen Post entschuldigt, das machte er nun im ZDF wieder rückgängig. Sei nur aufgrund der öffentlichen Reaktionen erfolgt. Er sehe das so: Muss jeder für sich entscheiden, welche Haltung er zur Corona-Krise hat. Seine steht fest,
Hertha BSC
Pal Dardai schaut eigentlich nie komplett bestürzt drein. Immer umspielt ein charmant-spöttischer Zug seine Mundwinkel. Aufgrund der Gelassenheit des ins Traineramt zurückgeholten Ungarn ist man sich bei Hertha BSC sicher, dass man schon nicht absteigen wird.
Doch am Tag nach dem 2:2 bei Borussia Mönchengladbach war Dardai mal sauer für seine Verhältnisse. Und zwar mit einem der beiden Torschützen, die eine Blamage gegen die nach frühem Platzverweis für ihren Torhüter Sommer dezimierten Gladbacher abgewendet hatten: Santiago Ascacibar. Der Argentinier war nach einer Stunde ausgewechselt worden und hatte dies mit abfälliger Mimik quittiert. „Das finde ich nicht okay. Wenn einer runterkommt und so ein Gesicht zieht, das ist respektlos. Nicht gegenüber dem Trainer, sondern gegenüber der Mannschaft“, sagte Dardai am Sonntag. „Bei unseren Spielern muss man es einigen erklären, wenn sie ausgewechselt werden, weil sich jeder sehr wichtig findet.“ Bitteschön, der Grund für den Wechsel: Dardai wollte Sami Khedira bringen, weil der kopfballstärker ist. „Und ich bin nicht schuld daran, dass Santiago nicht kopfballstark ist.“ Auch der Torerfolg sei kein Argument gegen eine taktische Überlegung: „Wunderbar, dass er ein Tor gemacht hat – aber soll ich mich bedanken bei ihm, oder was soll ich machen? Das ist eine Mannschaft.“ Denkbar: Dardai will bei Ascacibar eine Trotzreaktion provozieren. Typische Darsai-Methode.
Schalke 04
Kaum war das Ergebnis durch, trendete „Schalke“ auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Zeichen dafür, dass die Menschen mit Königsblau leben, leiden. Und nun hoffen? 1:0 schlug Schalke den FC Augsburg, zweiter Saisonsieg, erster für den neuen Trainer Grammozis. Lobpreisungen, wie Klaas-Jan Huntelaar das Team beseelt, seit er spielt. Nun, die Einträge der Fans schließen nichts aus, zeigen im Wesentlichen aber von der Fähigkeit zur Selbstironie – zu groß ist der Rückstand. Aber Augsburg kriegt für seinen destruktiven Stil voll ab. GÜNTER KLEIN