Viele junge Menschen wollen später mal „irgendwas mit Medien“ machen. Doch ob sie bei ihrem Berufswunsch „Fieldreporter beim Fußball“ vor Augen haben? Das klingt ja schon so – ja, nach kriegerischer Auseinandersetzung. Im Feld.
Urtyp des Fieldreporters ist Rolf Töpperwien. Gut für den einstigen ZDF-Mann, dass er im Ruhestand ist, denn derzeit würde sein Job ihm nur bedingt Spaß machen. Er liebte die Nähe zum Befragten, schaffte es immer, mit ins Bild zu kommen – was seit einem Jahr wegen dieser verfluchten Pandemie nicht geht. Jetzt erfolgt alles über die Distanz – es ist mindestens eine Mikrofonangel zwischen Reporter und Spieler. Sie ist allerdings auch Sinnbild der Distanz, wie die Trainer sie mögen.
Gerade sind alle Trainer angefressen, wenn sie Auskunft geben sollen. Christian Streich erzählt ja gerne über Gott und die Welt – aber wie kann man sich erdreisten, von ihm etwas wissen zu wollen über eine Niederlage in Bielefeld? Adi Hütter verliert fast seinen österreichischen In-allen-Lebenslagen-Charme, wenn ein Fieldreporter insistiert, er möge etwas dazu hören, ob der Herr Hütter nächste Saison noch die Frankfurter Eintracht trainieren werde. So eiert er nun herum wie vor Wochen Marco Rose, dem Gladbacher Ausstiegsklauseltrainer, dem Hütter nun wohl dank Ausstiegsklausel nachfolgen wird. Rose war bei diesen Zukunftsfragen immer so erregt, dass sein sächsischer Dialekt durchdrang. Selbst das Lächeln des netten Edin Terzic wandelt sich in ein gefährliches Zähneblecken, wenn er das Interview am Spielfeldrand als zu inquisitorisch empfindend.
Fieldreporter ist kein angenehmer Job. Man muss nach dem fragen, was eigentlich alle interessiert – auch die, die in Vereinstreue das beharrliche Nachhaken ablehnen. Der Reporter in der Frage-Antwort-Schlacht ist also nicht der Liebling des Fernsehpublikums – und schwebt in der Gefahr, öffentlich vorgeführt zu werden. Etwa von Jürgen Klopp ein „Du Seuchenvogel“ abzubekommen oder von Hansi Flick ein „Nächste Frage“. Selten, dass einer mit einem Lob abgewimmelt wird wie von Thomas Müller („Du bist so lange dabei . . .“).
Die Unnachgiebigsten werden manchmal aber auch belohnt. Wie Dieter Nickles. Was konnte er für Sky dem Bayern-Trainer Louis van Gaal auf den Zeiger gehen – wunderbar! Jetzt ist er Pressesprecher des FC Bayern.
Guenter.Klein@ovb.net