Mit Härte und Herzblut

von Redaktion

Uli Hoeneß verbindet den Erfolg der Bayern-Basketballer vor allem mit Trainer Trinchieri

VON PATRICK REICHELT

München – Zumindest ein Mitglied des Hauses Hoeneß dürfte den Erfolgsweg der Basketballer des FC Bayern ein bisschen kritisch sehen. Ben Hoeneß nämlich, der Mischlingshund des Hauses, war geradewegs unter die Couch gerauscht, als Herrchen Uli kürzlich mit einem Urschrei den Einzug der Korbjäger in die Euroleague-Playoffs feierte. „Der hat sich wohl gedacht: ,Was ist denn mit dem los?‘“, erzählte der Bayern-Patron nun in einem Interview mit „MagentaSport“.

Aber Vierbeiner Ben wird sich wohl auf weitere vergleichbare Grenzerfahrungen einstellen müssen. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Hausherr Uli Hoeneß die Spiele derzeit pandemie-bedingt lieber am heimischen Bildschirm verfolgt. Zudem geht der Siegeszug der Bayern-Basketballer zumindest international unvermindert weiter. Gestern setzte es zwar eine 83:85-Niederlage gegen Braunschweig. Am Freitag überrumpelte das Team von Trainer Andrea Trinchieri dafür zum zweiten Mal in dieser Saison Hauptrunden-Champion FC Barcelona (82:72). Sodass auch der Ehren-Präsident selbst feststellte, dass sein langjähriges Herzensprojekt sich gerade selbst überholt. „Ich hatte immer gesagt, dass wir an die europäische Spitze herankommen wollen“, sagte er, „jetzt sind wir in der Spitze drin.“

Der Erfolg hat viele Väter, das sieht auch Hoeneß so. Wobei der 69-Jährige einen Mann natürlich besonders herausstreicht. Und das ist Andrea Trinchieri, der Trainer. Dass es so kommen könnte, hatte Hoeneß im vergangenen Sommer wohl zumindest geahnt. Als bei der Suche nach einem neuen Chefcoach erstmals der Name Trinchieri auf den Tisch kam, „habe ich mir gedacht, den müssen wir unbedingt probieren“. Heute sieht auch er sich bestätigt. „Der Trainer kann hart sein, aber er macht es mit viel Herzblut“, sagte Hoeneß, „und es ist eine klare Handschrift zu erkennen. Der passt perfekt zu uns.“

Und natürlich reiht sich auch Uli Hoeneß in den Kreis derer ein, die den Italiener unbedingt länger im Verein sehen wollen als nur bis zum Saisonende: „Wenn ich noch in der Verantwortung wäre, würde ich alles dafür tun, damit er bleibt.“ Überzeugen muss er da wohl niemanden. Alles andere als eine baldige Verkündung der Vertragsverlängerung wäre eine faustdicke Überraschung.

Und wer weiß, vielleicht kann der so Umworbene seine Premierensaison in München ja noch weiter veredeln. Im nationalen Geschäft naht die entscheidende Phase – kommendes Wochenende wird im Audi Dome schon einmal der BBL-Pokal vergeben. Die Bayern treffen im Halbfinale am Samstag auf ratiopharm Ulm. Und in Europa? „Die Reise ist noch nicht zu Ende“, war auch am Freitag wieder mehrfach zu hören.

Allerdings bekommen es Ausnahme-Center Jalen Reynolds und seine Kollegen im Viertelfinale ab dem 20/21. April ausgerechnet mit Olimpia Mailand zu tun. Die Italiener tankten nicht nur mächtig Selbstvertrauen mit einem fulminanten 98:75 über Efes Istanbul. Das Ensemble um Ex-Bayer Malcolm Delaney ist auch neben Real Madrid das einzige Team der Euroleague, das gegen die Münchner in dieser Saison gleich zweimal gewann. In Trinchieris Heimatstadt gab es Ende Januar ein ebenso klares wie fürchterliches 51:75 für den FC Bayern.

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