Bayern verpasst das Wunder von Paris

von Redaktion

1:0-Sieg reicht nicht, um Viertelfinal-Aus abzuwenden – Neymar dreimal an Pfosten

VON JOSE CARLOS MENZ

Möglich war’s. Es wäre auch nicht unverdient gewesen. Doch das 1:0 (1:0) gestern Abend im Pariser Prinzenpark hat nicht gereicht. Der FC Bayern, seines Zeichens Sixtuple-Sieger, ist trotz des Sieges über Paris Saint-Germain und eines gänzlich beeindruckenden Kraftakts im Viertelfinale der Königsklasse ausgeschieden und kann damit nur noch einen Titel in der laufenden Saison gewinnen. Aus is.

Eilig hatten es die Münchner trotz des Hinspielresultats nicht. Ganz im Gegenteil. Offenbar war das Vertrauen in die eigene Stärke so groß, dass das Tempo in ihrem Spiel zu Beginn der Partie im Pariser Prinzenpark dem eines gewöhnlichen Bundesliganachmittags glich. Sachlich ließen die Bayern das Leder in den eigenen Reihen laufen und wurden direkt von Kylian Mbappé freundlich daran erinnert, dass es um den Einzug ins Halbfinale der Königsklasse ging. Nach zwei Minuten wurde der Franzose, ähnlich wie im Hinspiel, von Neymar in die Tiefe bedient und kam frei vor Manuel Neuer zum Abschluss. Der Rechtsschuss rauschte knapp am Pfosten vorbei.

Es war der erste von vielen Warnschüssen seitens der Gastgeber, die jedoch allesamt just das blieben: Warnschüsse. Die Gäste benötigten ihrerseits ganze 26 Minuten, bis sie in Person von Leroy Sané den ersten Abschluss in Richtung des von Keylor Navas gehüteten Gehäuses abgaben. Anders Paris. Anstatt das positive Resultat aus der Allianz Arena zu verwalten, waren die Franzosen um eine schnelle Entscheidung bemüht und starteten eine Dauerbelagerung des bayerischen Strafraums, die nur aufgrund einer gehörigen Portion Pech nicht mit einem Treffer belohnt wurde. Allein der bestens aufgelegte Neymar traf dreimal Aluminium und erinnerte dabei an die drückend überlegenen Bayern aus dem Hinspiel, die sich schlichtweg nicht zu belohnen wussten.

Und die Münchner? Akzeptierten den Rollentausch, übernahmen den kaltschnäuzigen Part der Franzosen aus der Vorwoche – und schlugen just im Moment der höchsten Pariser Dominanz wie ein taumelnder Boxer zu. David Alaba brachte den Ball im Sechzehner auf Navas, der Torhüter wehrte frontal ab, wo sich Eric Maxim Choupo-Moting gegen Presnel Kimpembe durchsetzte und das Leder per Kopf über die Linie drückte.

Der Treffer fiel keine sechs Minuten vor dem Halbzeitpfiff und bewirkte genau das, wovon Thomas Müller im Vorfeld der Partie gesprochen hatte. Zweifel. Unsicherheit. Kurzum: Angst. Auch, weil PSG im weiteren Verlauf der Partie feststellen musste, dass das Glück den Bayern weiterhin hold blieb. Eine traumhafte Kombination endete im tödlichen Pass des stark agierenden Ángel di María, Neymar verpasste vor dem leeren Kasten aber erneut um eine Fußspitze. Kurz darauf musste auch noch Abdou Diallo verletzt vom Platz. Und ganz Paris zitterte.

Anders als in Hälfte eins schien diesmal das zweite Tor der Münchner nur eine Frage der Zeit zu sein. Immer wieder tauchten die Schützlinge von Trainer Hansi Flick gefährlich vor Torhüter Keylor Navas auf, der alsbald sogar den sonst ausschließlich in der Ferne agierenden Mbappé beim Verteidigen aus nächster Nähe beobachten durfte.

Die Bayern versuchten es bis zum Schluss, ihr Sturm auf die Bastille scheiterte aber. Trotz mehrerer verheißungsvoller Versuche. Und so endete ein Märchen, das vergangenen Sommer in Lissabon begonnen hatte, gestern unter dem Schein des Eiffelturms.

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