Goodbye, Montags-Spiel

Gescheiterte Amerikanisierung

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Das war es also mit dem Montagsspiel in der Fußball-Bundesliga. Und es war ein passendes letztes: Hoffenheim – Leverkusen. Auch ohne die Umstände einer Pandemie hätte bei dieser Version des Plastico Geisterspielatmosphäre geherrscht. Dass es 0:0 ausging und, was man so hört, ein typisches 0:0-Spiel war, fügt sich ebenfalls in die Geschichte ein: Das Projekt Bundesliga-Montag war ein gigantischer Fehlschlag. Die Liga hat es zumindest eingesehen und schafft es ab.

Der Misserfolg war bei der Einführung eigentlich gar nicht abzusehen. Das Montagsspiel in der 2. Liga stieß auf keine großen Widerstände, es bediente die kleine Gruppe der schwer Süchtigen, für die täglich der Ball über den Bildschirm rollen muss. In den USA, an denen man sich bei der Entwicklung des Profisports orientiert, war der „Monday Night Football“ sogar ein Erfolgsformat. Gut, der Football mit dem eiförmigen Ball – aber eben der Anlass, dass die Menschen am Montag nach der Arbeit in den Sportbars zusammen kamen. Deutschland wollte sich beim Spitzen-Fußball aber nicht amerikanisieren lassen und war mehr in „I Don’t Like Mondays“-Aggro-Stimmung als in seliger „Monday, Monday“-Harmonie. Die Boomtown Rats hatten die trefflichere Begleitmelodie als The Mamas and Papas.

Aber warum ist der Montag so krachend gescheitert? Es könnte am Überangebot des Wochenendes liegen. Das war der reinste Stress mit dem massiven Sportangebot weit über die drei professionellen Fußball-Ligen hinaus. Von November bis teils in den April hinein lief samstags und sonntags acht, neun Stunden Wintersport – irgendwann muss der Konsument sich erholen, ehe er ab Dienstag in den internationalen Fußball gezwungen wird. Er hat es als Affront empfunden, dass er auch noch am Montag behelligt wurde.

Auch Sportredaktionen ließen an Montagabenden traditionell die Seele baumeln und verzichteten auf Spätdienste – obwohl es zwei aktuelle Gefahrenquellen gab: Von Mitte der 80er bis Ende der 90er das Erstrunden-Aus von Boris Becker bei einem Schießmichtot-Turnier (obwohl er doch gerade Hochform hatte) und die Trainerentlassung im Fußball, weil die Vereinsgremien am Montagabend Zeit hatten. Doch zuletzt hat Corona jegliche Beschaulichkeit zerschossen: Seit Monaten ist jeden Montag DEL-Eishockey. Werden die Spieler keine weitere Saison mitmachen. Denn Montag ist ihr Sonntag. Ruhetag. Das sollte dieses Virus endlich mal einsehen.

Guenter.Klein@ovb.net

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