Um die Dimensionen des Absturzes einordnen zu können, muss ein kurzer Blick in die Schalker Geschichtsbücher her. Nein, nicht in die Zeiten, als Fußball auf Fotos noch schwarz-weiß war und die Königsblauen in den 30er- und 40er-Jahren sechs Meisterschaften holten. Auch nicht ins Jahr 1958, als Schalke zum vorerst letzten Mal Deutscher Meister wurde – es gibt übrigens tatsächlich S04-Fans, die glauben, es könnte zu ihren Lebzeiten noch mal passieren. Nein, der Rückblick richtet sich auf den 13. April 2011. Vor etwas mehr als zehn Jahren zog Schalke nämlich durch ein 2:1 (Hinspiel 5:2) gegen Inter Mailand ins Halbfinale der Champions League ein. Dort war gegen Manchester United Endstation (0:2, 1:4) – aber immerhin: Schalke gehörte zu den vier besten Fußball-Mannschaften in Europa.
In der kommenden Saison wird sich S04 also in Liga zwei u.a. mit Paderborn und Aue auseinandersetzen müssen. Und natürlich fragen sich viele: Wie konnte es nach 30 Jahren in der Erstklassigkeit so weit kommen? Mit Dimitrios Grammozis hat Schalke allein in dieser Saison bereits den fünften Coach beschäftigt – Liga-Rekord. Seit 2011 hatte der Club 16 Trainer (darunter dreimal Huub Stevens). Kontinuität sieht anders aus.
Hinzu kommt ein kolossales königsblaues Missmanagement. Dabei waren die Einnahmen ja durchaus da: 30 Millionen Euro Ablöse für Manuel Neuer (2011 zu Bayern), 43 Millionen für Julian Draxler (2015 zu Wolfsburg), 52 Millionen für Leroy Sane (2016 zu Manchester City), 37 Millionen für Thilo Kehrer (2018 zu Paris Saint-Germain). Aber sie wurden investiert in Spieler, die diese Leistungsträger nicht einmal annähernd ersetzen konnten.
Mit 240 Millionen Euro Schulden geht Schalke nun in die Zweitklassigkeit. Das Bauprojekt „Berger Feld II“ (die Weiterentwicklung des Vereinsgeländes rund um die Arena mit Trainingsplätzen, Parkhäusern, Flaniermeile und einem neuen Verwaltungsgebäude) ist bereits gestoppt. Das alles wurde geplant, als man sich auf Schalke noch dauerhaft in der europäischen Beletage wähnte – so lange ist das gar nicht her…
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