Nach außen friedlich – intern brodelt es

von Redaktion

Nach Flick-Alleingang will FC Bayern den Schein wahren – Kimmich hofft auf Wiedersehen beim DFB

VON MANUEL BONKE

München – Joshua Kimmich hat in seiner Funktion als Bayern- und Nationalmannschaftskapitän der Zukunft am Dienstagabend erstmals öffentlich das ausgesprochen, was sich die Verantwortlichen beim DFB insgeheim schon lange wünschen. „Jetzt hoffe ich natürlich, wenn es im Sommer so kommt, dass er danach beim DFB übernehmen wird“, sagte Kimmich auf die Zukunft seines noch Bayern-Trainers Hansi Flick angesprochen. Doch beim FC Bayern ist man bekanntlich nicht bei „Wünsch dir was“, sondern bei „So ist es“.

Der Status der Beziehung zwischen Bayern, dem DFB und Flick lässt sich wohl am besten mit folgender Formulierung beschreiben: Es ist kompliziert.

Öffentlich sind die Verantwortlichen darum bemüht, die Trennung von Flick ohne größere Nebengeräusche über die Bühne zu bringen, wie die jüngsten Aussagen von Präsident Herbert Hainer im Rahmen des Mitglieder-Dialogs zeigen. „Glauben Sie mir liebe Fans, wir wollten den Hansi Flick nicht so einfach gehen lassen“, sagte der Präsident. Oder: „Ich verstehe auch, dass der Trainer neue Top-Spieler verlangt damit wir dieses Niveau halten können.“ Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Vereinsgranden – allen voran Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Ehrenpräsident Uli Hoeneß – maßlos darüber verärgert und enttäuscht sind, dass sich Flick mit seinem Alleingang nicht an die Abmachung hielt, die Öffentlichkeit erst nach dem Spiel gegen Mainz über seine Gedanken zu informieren. Tenor: Er präsentiert sich als Mutter Teresa und lässt den Verein als Buhmann dastehen.

Auch wenn Rummenigge am Rande der gestrigen Trainingseinheit entspannt mit Hansi plauderte: Mit seinem Vorpreschen hat sich Flick keinen Gefallen getan. Nach dem Spiel am Samstag gegen Mainz werden sich die Bosse und ihr scheidender Cheftrainer also noch einmal zusammensitzen, um über die Modalitäten der vorzeitigen Vertragsauflösung zu verhandeln. Und bei diesen Gesprächen wird die mögliche Bundestrainer-Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Denn sollten die Bayern-Verantwortlichen der vorzeitigen Vertragsauflösung uneingeschränkt zustimmen, könnte dem Klub eine saftige Ablöse durch die Lappen gehen, sollte Flick im Spätsommer den Bundestrainer-Job von Joachim Löw wirklich übernehmen.

Der DFB hat sich zwar vorgenommen, keine Ablöse für einen Trainer zu zahlen, doch selbst finanziell gesunde Klubs wieder der FC Bayern sind in Zeiten der Corona-Pandemie um jede Einnahmequelle dankbar – vor allem, wenn RB Leipzig für Bayern-Wunschtrainer Julian Nagelsmann eine zweistellige Millionen-Ablösesumme aufrufen sollte. So oder so: Den Bayern stehen demnächst schwierige Trainer-Verhandlungen bevor.

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