15 Millionen plus Prämien

von Redaktion

Wie Bayern und Leipzig den Nagelsmann-Wechsel regeln – Flick frei für DFB

VON MANUEL BONKE

München – Die Nacht von Sonntag auf Montag war für den FC Bayern und Julian Nagelsmann (33) entscheidend. Sowohl die Vertreter des Rekordmeisters als auch die des Noch-Trainers von RB Leipzig bekamen nur wenig Schlaf ab. Die Verhandlungen zwischen Bayern, Leipzig und Nagelsmann nahmen bereits tags zuvor so richtig Fahrt auf. Doch den Durchbruch gab es in den späten Abendstunden des Sonntags: Dann waren sich Bayern und Nagelsmann über die Vertragsmodalitäten einig: Der gebürtige Landsberger erhält ab 1. Juli in München einen Kontrakt über fünf Jahre und soll ein Jahresgehalt von ungefähr acht Millionen Euro brutto kassieren. Am Montag bat Nagelsmann Leipzig um die Freigabe.

Hätte die Pandemie nicht auch negative Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Bayern, hätte Nagelsmann wohl noch mehr Geld verdienen können. Doch der monetäre Aspekt spielt beim Trainer-Überflieger bei seiner neuen Herausforderung keine Rolle. „Leipzig ist etwas Besonderes – und dennoch werde ich gehen. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mich der Trainerposten beim FC Bayern reizt und ich diesen Job gerne annehmen würde, wenn sich diese vielleicht einmalige Gelegenheit ergeben sollte. Es ist für mich etwas sehr Spezielles, das Traineramt beim FC Bayern zu übernehmen“, ließ sich Nagelsmann in der Leipziger Abschiedserklärung zitieren. Abschließend bedankte er sich bei den RB-Verantwortlichen, dass eine Lösung gefunden wurde, um ihm seinen Bayern-Traum zu erfüllen.

In der Tat waren die Verhandlungen zwischen den beiden Clubs der zäheste Punkt der Gespräche. Die entscheidende Frage: Wie viel Ablöse müssen die Münchner nach Leipzig überweisen, um ihren Wunschtrainer zu verpflichten? Als die Verhandlungen in die heiße Phase gingen, wurde plötzlich kolportiert, dass RB eine Zahlung in Höhe von 30 Millionen erwarten würde. Gerade in Pandemie-Zeiten wäre diese Summe nur schwer zu rechtfertigen gewesen. Doch mit den erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen, deren Ergebnis von beiden Seiten am Dienstag offiziell verkündet wurde, war auch die endgültige Ablöse geschrumpft: Nach Informationen unserer Zeitung bezahlt Bayern einen Sockelbetrag von knapp 15 Millionen. Selbst mit Prämien würde die Ablösesumme nicht die 20-Millionen-Hürde reißen.

Was bei aller Euphorie zur Nebensächlichkeit schrumpfte: Parallel zum Nagelsmann-Start wurde auch das Ende von Hansi Flick in München erfolgreich verhandelt. Der Triple-Trainer darf vorzeitig aus seinem bis 2023 gültigen Vertrag. Sollte Flick Bundestrainer werden (der DFB kündigte die Aufnahme von Gesprächen an), wird der FCB zwar keine Millionen-Ablöse vom Verband erhalten, dafür ist ein Show-Spiel zwischen Bayern und der Nationalmannschaft geplant – Einnahmen an den Rekordmeister. Flicks Abschiedsansprache im Wortlaut: „Für mich werden die vergangenen zwei Jahre unvergesslich bleiben. Die Emotionen, die Siege, die Titel, aber auch die tägliche Arbeit auf dem Platz hat mir sehr viel Spaß gemacht – es war eine herausragende Zeit.“

Nun soll Nagelsmann eine Ära in München prägen. Die Bosse trauen ihm das zu. Für Präsident Herbert Hainer steht er für die neue Trainer-Generation. „Allein schon Julians Vertragslaufzeit von fünf Jahren zeigt, wie sehr er sich mit dem FC Bayern identifiziert“, sagt Vorstandsmitglied Oliver Kahn.

Artikel 1 von 11