Es sind keine gute Nachrichten, die aus dem fernen Japan nach Deutschland gelangen: Die Pandemie wütet dort weiter mit voller Wucht. Erst zwei Prozent der japanischen Bevölkerung sind geimpft, und Experten gehen von einer gigantischen Dunkelziffer an Covid-Erkrankten aus, da vor Ort kaum Testmöglichkeiten existieren. Am Freitag erklärte Japans Premierminister Suga, dass der Notstand bis zum 31. Mai verlängert wird. Bei all der Hoffnung, die sich hierzulande gerade in der Pandemie-Bekämpfung breit macht, darf nicht vergessen werden: Global hat das Virus nichts von seinem Schrecken verloren. Siehe Indien. Oder eben Japan.
Und dennoch müssen die Organisatoren samt IOCalle vertretbaren Möglichkeiten ausschöpfen, um die Spiele im Sommer zu retten. Nicht, damit lukrative TV- und Sponsoren-Verträge eingehalten werden, sondern, weil eine erneute Absage den Sportlern nicht zuzumuten ist. Dabei geht es nicht um millionenschwere Basketballer aus der NBA oder Tennisprofis wie Roger Federer. Sondern um Athleten wie zum Beispiel Oliver Zeidler – Medaillenkandidat im Rudern aus Schwaig bei Erding.
Für Zeidler & Co. sind die Olympischen Spiele der Anker ihrer sportlichen Laufbahn. Das Ziel aller Qualen aus dem Training. Eine erneute Absage können viele Teilnehmer aus den Randsportarten nicht mehr kompensieren. Sie würden verschwinden – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Für sie muss das Feuer im Juli in Tokio brennen. Auch mit der Konsequenz, dass das Erlebnis Olympische Spiele nicht mit dem zu vergleichen ist, was sich diese Sportler einst vom Höhepunkt ihrer Laufbahn erträumt haben.
Zuschauer, die einen frenetisch zu Höchstleistungen antreiben, oder unbeschwerte Besuche von anderen Sportarten scheinen momentan genauso illusorisch wie ein ungezwungenes Kennenlernen in der Athleten-Mensa im Olympischen Dorf.
Und dennoch wäre eine Absage oder eine erneute Verschiebung ein Schlag in das Gesicht jener Sportler, die sowieso schon viel zu oft im Schatten stehen.
Daniel.Mueksch@ovb.net