Schon wieder ein Giro d’Italia?
In der Tat war der Abstand zwischen zwei Italien-Rundfahrten noch nie so kurz: Erst Ende Oktober endete der wegen der Pandemie verschobene Giro 2020, sechseinhalb Monate später beginnt am Samstag die 104. Auflage zum gewohnten Mai-Termin.
Warum ist der Giro aus deutscher Sicht diesmal so interessant?
Das liegt weitgehend an Emanuel Buchmann. Der Tour-Vierte von 2019 verzichtet diesmal auf die Frankreich-Rundfahrt, weil er sich beim sehr berg- und weniger zeitfahrlastigen Giro größere Erfolgschancen verspricht. Nach dem verkorksten Jahr 2020, in dem er bei der Tour de France als Sturzfolge chancenlos hinterherfuhr, ist Buchmann „sehr motiviert, beim Giro zu zeigen, was in mir steckt“. Im Idealfall kann Buchmann deutsche Radsport-Geschichte schreiben: Der Giro ist die einzige Grand Tour, bei der noch nie ein Deutscher auf dem Podest stand. Der Schwabe schloss auch den Gesamtsieg nicht aus: „Ich weiß, dass ich es drauf habe, auf das Podium zu fahren. Und wenn man das kann, ist der Sieg meistens nicht weit weg“, sagte Buchmann in Turin.
Wer sind die Topfavoriten?
Auch wenn die derzeit allerbesten Rundfahrer – die Slowenen Tadej Pogacar und Primoz Roglic – nicht am Start sind, gehört Buchmann eher zu den Außenseitern im Kampf ums Rosa Trikot. Größter Name im Feld ist Egan Bernal, doch der kolumbianische Wunderknabe fährt schon längst nicht mehr in der Form seines Tour-Sieges 2019. Sein Ineos-Teamkollege Tao Geoghegan Hart, Überraschungsgewinner 2020, fehlt diesmal. Stattdessen kämpft eine Mischung aus Veteranen wie Italiens Volksheld Vincenzo Nibali, der Spanier Mikel Landa und der Brite Simon Yates mit bärenstarken Youngstern wie der Quick-Step-Doppelspitze Remco Evenepoel (Belgien) und Joao Almeida (Portugal) um den Gesamtsieg.
Was geht sonst noch aus deutscher Sicht?
Acht deutsche Fahrer sind diesmal am Start, mehr waren es zuletzt 2010. Gleich drei davon um den unverwüstlichen Nikias Arndt schickt das Team DSM ins Rennen, der 37 Jahre alte Paul Martens (Jumbo-Visma) bestreitet seine letzte große Rundfahrt, Alexander Krieger (Alpecin-Fenix) seine erste. Roger Kluge (Lotto-Soudal) will Sprint-Star Caleb Ewan zu Siegen ziehen. Max Walscheid (Qhubeka) ist ein Mann für die Massenspurts.
Welches sind die Highlights der Route?
Der Giro ist 2021 eine echte Runde, führt zur Feier der Vereinigung Italiens vor 160 Jahren in einer großen Schleife von Turin über 3479 Kilometer bis nach Mailand (30. Mai). Am ersten und letzten Tag stehen Einzelzeitfahren an, ansonsten geht es in den Bergen rund: Wegweisend sind die 9. Etappe in den Abruzzen mit 3500 Höhenmetern teils auf Schotter, die 14. Etappe mit ultraschwerer Bergankunft auf dem Monte Zocolan sowie die 16. Etappe mit 5600 Höhenmetern und dem 2239 Meter hohen Pordoipass. Für Spektakel dürfte das 11. Teilstück sorgen, das unter anderem über 35 Schotter-Kilometer führt.
Wie sehr steht das Rennen unter Corona-Einfluss?
Der Giro 2021 soll ein weiterer Schritt zurück in die Normalität werden, Italien ist angesichts einer – wenngleich rückläufigen – Sieben-Tage-Inzidenz von rund 130 und weitreichender Restriktionen immer noch deutlich vom Normalzustand entfernt. Deshalb gelten auch an der Giro-Strecke 2021 diverse Verhaltensregeln, die gewohnte Volksfeststimmung an den großen Anstiegen soll es nicht geben.
Wo ist der Giro im TV zu sehen?
Eurosport zeigt alle Etappen live. sid