Bayern wieder Meister

Die Arbeit hinter dem Naturgesetz

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Ach, wie wehmütig wurde man am Samstagabend. Da reisten die Gedanken zurück in die 90er-Jahre, als eine Bayern-Meisterschaft noch nicht selbstverständlich war und ein Titelgewinn für das ZDF der Anlass, das Sportstudio von der großen Fete aus zu senden. Unvergessen: Franz Beckenbauer, noch jung, gesund, Trainer, versenkte einen Ball vom Weißbierglas aus im Loch der Torwand. Und diesen Samstag? Wurde die Meisterschaft des FC Bayern, die nunmehr neunte in Serie, pflichtschuldig vermeldet, Studiogast war der Funktionär Dr. Rainer Koch – und auch er schoss auf die Torwand. Den zweiten Versuch oben wird das Internet niemals vergessen, vielleicht wird DFB-Präsident und Koch-Intimfeind Fritz Keller ihn bei der Ethikkommission als Sünde am Fußball zur Anzeige bringen.

Doch zurück zu den Bayern. Dass sie ständig Meister werden, erscheint nach außen so unumstößlich wie ein Naturgesetz. Wenn man dann aber jedes Jahr sieht, dass die Spieler doch noch so etwas wie Freude und Erleichterung erkennen lassen, wird erkennbar, dass sie doch einiges investieren mussten. Diese komplette Saison unter den Bedingungen einer Pandemie war für alle Vereine kompliziert, für die Bayern aber noch mehr als für den Großteil ihrer Konkurrenz. Sie kamen ohne Pause aus der alten Saison herüber, hätten gesättigt sein können von ihrem Triple-Jahr oder irritiert von den aufkommenden atmosphärischen Störungen in ihrer sportlichen Leitung. Jedoch: Störte alles nicht. Die defensive Anfälligkeit kontern sie mit einem Offensivrausch, und wenn man denkt, als Meister könnten sie lässig ins Samstagabendspiel gegen immerhin Mönchengladbach gehen – 6:0.

Darf die Konkurrenz hoffen, dass sich das ändert? Der einzige Ansatz wäre, dass sich die Bayern in der Trainerwahl vertun. Bei Ancelotti und Kovac hat sich gezeigt, dass es ein Faktor sein kann, wenn das Binnenverhältnis nicht stimmt. Beide Male korrigierten sie ihre Entscheidung – bei Nagelsmann, mit hoher Ablöse belastet, würden sie das wohl nicht tun. Aber kann ja auch sein, dass es passt. Wie ein Beckenbauer-Schuss vom Bierglas.

Guenter.Klein@ovb.net

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