Dumm gelaufen für Köln, dieses Spiel gegen Freiburg, das 1:4 statt 2:2 endete. Der „Effzeh“ wäre somit Direktabsteiger. Schlechte Aussichten auch für Bremen: Werder hat am Samstag Abstiegsendspiel in Augsburg, es könnte auf den Relegationsplatz stürzen und dann an – denkbar – Holstein Kiel scheitern. Es dürften noch viele Tränen vergossen werden an diesen Traditionsstandorten – wie zuvor schon auf Schalke. Natürlich fühlt sich ein Abstieg bitter an. Und zu den Emotionen kommen die Fakten: Wer nicht flink die Rückkehr nach oben schafft, dessen Einnahmen aus dem Fernsehtopf werden geringer und die Wiederaufstiegschancen mit jedem Jahr in der 2. Liga schlechter.
Allerdings: Zumindest in der Saison 2021/22 sollte man die 2. Liga nicht fürchten. Sie wird etwas zu bieten haben. „Die beste 2. Liga aller Zeiten“ – das wird nicht nur eine Marketingphrase sein. Das Unterhaus wird attraktiv besetzt sein wie nie zuvor. Vielleicht nicht unbedingt von dem her, was auf dem Feld geboten werden wird, aber von den Namen der Clubs und den mit ihnen verbundenen Geschichten. Selbst wenn Köln oder Bremen sich in der 1. Liga halten sollten – die 2. geht mit einem Grundstock an Tradition an den Start (derzeit Düsseldorf, Hamburger SV, St. Pauli, Karlsruher SC, Darmstadt 98, 1. FC Nürnberg, Hannover 96), dazu stößt der FC Schalke 04, und aus der 3. Liga ist zu rechnen mit dem Zuwachs von Dynamo Dresden, Hansa Rostock und dem TSV 1860 München. Wer sich dem alten Fußball verbunden fühlt, am zehnten Meistertitel des FC Bayern in Folge und an Hoffenheim-Leipzig-Wolfsburg kein Interesse hat, wird in der 2. Liga eine Alternative finden. Sie ist – ein Münchner Vergleich – die „Oide Wiesn“ als Zuflucht im Treiben des internationalisierten Plastik-Oktoberfests.
Begünstigt wird die Konstellation durch den Eintritt in ein neues Fernsehzeitalter. Sky hat Teile der Bundesliga verloren, kann die 2. Liga aber komplett anbieten. Vor allem an den Sonntagen wird Sky mit seinem Einfluss als Pay-TV-Anbieter Nummer eins das Programm des Unterhauses anschieben. Vielleicht wird Sky sogar neue Abonnenten gewinnen durch das vor zwei Jahren noch als lästig empfundene Rechte-Anhängsel.
Im Grunde kann die 2. Bundesliga die deutsche Super League werden. Nur eben ohne das große und böse Geld.
Guenter.Klein@ovb.net