„Lewandowski ist Luxus“

von Redaktion

Ex-Real-Präsident Caldéron über den FCB-Stürmer, Zidane-Gerüchte und Alaba

München – Kaum einer kennt Real Madrid so gut wie er: Ramón Calderón (69). Der Rechtsanwalt war von 2006 bis 2009 Präsident der Königlichen. Er erlebte die Zeit der „Galaktischen“ und ist auch heute noch sehr gut über die Geschehnisse im Club informiert. Im Interview spricht er über die Abschieds-Gerüchte rund um Trainer Zinedine Zidane (48) und die Bayern-Stars David Alaba (28) und Robert Lewandowski (32).

Herr Caldéron, Zinedine Zidane soll seine Spieler informiert haben, dass er Real Madrid nach der Saison verlassen möchte. Was sagen Sie dazu?

Zidane ist ein außerordentlich guter Trainer. Falls er gehen würde, wäre es ein Riesen-Verlust für Real Madrid. Er hat ein tolles Verhältnis zu den Spielern. Sie respektieren ihn sehr. Er ist ein Vorbild, was den Umgang mit den Stars und der Presse betrifft.

Können Sie sich erklären, warum er weg will?

Real-Trainer zu sein, ist eine riesengroße Aufgabe. Man muss viel Druck und manchmal auch unfaire Kritik aushalten. Es ist ein Job, der sehr auslaugend sein kann. In den vergangenen 47 Jahren war Vicente Del Bosque der Einzige, der drei komplette Saisonen am Stück Real-Trainer war. Titel zu gewinnen ist kein Erfolg bei diesem Club, es ist ein Muss.

Zidane hat während seiner ersten Amtszeit als Real-Trainer dreimal hintereinander die Champions League gewonnen. Nun könnte er am letzten Spieltag noch Stadtrivale Atletico überholen, um Meister zu werden.

Das stimmt. Das Titel-Rennen in der spanischen Liga ist unheimlich spannend. Aber Atletico hat die Karten in der eigenen Hand. Wenn sie gewinnen, sind sie Meister.

Neben Joachim Löw wird vor allem über Ex-Juve-Trainer Massimiliano Allegri als Zidane-Nachfolger spekuliert.

Das habe ich auch gehört. Allegri ist ein guter Trainer. Aber um bei Real Madrid erfolgreich zu sein, bist du auch von den Spielern abhängig. Zudem gibt es stets Ungereimtheiten mit Präsident Perez. Er mischt sich häufig in die Arbeit des Trainers ein und will selbst entscheiden, welche Spieler er kauft und verkauft. Das kann das Arbeiten für einen Coach sehr schwer machen.

Bayern-Star David Alaba wird aller Voraussicht nach nach der Saison zu Real wechseln. Ihre Meinung über den Österreicher?

Er ist ein überragender Spieler. Ich habe gelesen, dass es bereits eine Einigung zwischen ihm und Real geben soll. Ich habe ihn eigentlich immer als linken Verteidiger oder defensiven Mittelfeldspieler gesehen. Es wird davon ausgegangen, dass Alaba aber Sergio Ramos, der den Verein anscheinend leider verlassen wird, in der Innenverteidigung ersetzen wird.

Real Madrid ist hoch verschuldet. Dennoch gibt es immer Gerüchte um neue Top-Stars. Wie passt das zusammen?

Die Schulden sind ein Problem. Dazu kommt der Bau des neuen Stadions. Was die Situation erschwert, sind die fehlenden Zuschauer-Einnahmen während der Pandemie. Um neue Top-Stars wie Haaland oder Mbappé zu kaufen, muss Real erst einmal Spieler verkaufen. Manchester United soll beispielsweise an Innenverteidiger Varane interessiert sein. Klar ist, der Verein braucht einen Umbruch. In Zukunft werden Spieler wie Modric, Kroos und Benzema, die heute unverzichtbar sind, ersetzt werden müssen.

Einer, der beinahe mal bei Real gelandet wäre, ist Bayern-Star Robert Lewandowski. Am Wochenende hat er den Uralt-Rekord von Gerd Müller eingestellt, sein 40. Liga-Tor erzielt.

Er ist ein Wahnsinns-Spieler in einer Wahnsinns-Mannschaft. Er war immer auf dem Radar von Real. Lewandowski kann mindestens noch zwei, drei Top-Jahre vor sich. Wie lange hat er noch Vertrag in München?

Bis 2023.

Die Vereine versuchen immer, die Verträge der Spieler ein Jahr vor dem Ende des Kontrakts zu verlängern. Die andere Option, aus wirtschaftlicher Sicht, ist der Verkauf. Klar ist: Lewandowski ist ein Ausnahmestürmer mit einer unglaublichen Effizienz, und es ist ein Luxus für jede große Mannschaft, ihn in ihren Reihen zu haben.

Interview: Philipp Kessler

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