Die Qual der Wahl war für Joachim Löw heuer etwas geringer. Aufgrund der Corona-Pandemie erlaubt die UEFA, 26 Spieler für die EM zu nominieren – statt der sonst üblichen 23. Seit gestern ist klar, mit welchem Team der Bundestrainer zu den drei Vorrundenspielen in München antritt. Der erste Eindruck: Die Mischung stimmt, das Potenzial dieser Truppe ist riesig. Es ist klug und war längst überfällig, dass Löw mit Mats Hummels und Thomas Müller zwei erfahrene Weltmeister zurückholt, die eine Mannschaft auch verbal lenken können. Gemeinsam mit Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Toni Kroos und Leon Goretzka verfügt die DFB-Auswahl über eine stabile Achse. Viele der gerade Genannten waren im Vorjahr maßgeblich an der Sechs-Titel-Saison des FC Bayern beteiligt.
Die große Aufgabe für Löw wird es sein, die Puzzleteile richtig zusammenzusetzen. Wie bringt er die Mittelfeld-Asse Kimmich, Goretzka, Kroos und Ilkay Gündogan unter? Wer verteidigt hinten rechts? Wie sieht die Offensive um Müller aus? Fragen, die Löw beantworten muss.
Die Krux: Viel Anlaufzeit hat er nach einer für viele Profis langen und sowieso außergewöhnlichen Saison unter Corona-Bedingungen nicht. Vor dem EM-Start stehen zwar noch Tests gegen Dänemark (2. Juni) und Lettland (7. Juni) an, echte Gradmesser werden diese Partien aber kaum sein. Und beim Turnier geht es gleich in die Vollen – erst gegen Weltmeister Frankreich, dann gegen Europameister Portugal. Wenn das deutsche Team nicht gleich hundertprozentig funktioniert, ist Löws letzte Mission ganz schnell vorbei. Mit der Rückholaktion von Müller und Hummels hat er bereits vor Turnierbeginn gezeigt, dass er lernwillig ist und sich Fehler eingestehen kann. Auf den letzten Metern der DFB-Karriere zählt für den Noch-Bundestrainer nur noch der kurzfristige Erfolg, nicht die langfristige Entwicklung. Gut so!
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