Frankfurter Endspurt-Krise

Der letzte Eindruck bleibt

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Man muss kein Fan von Eintracht Frankfurt sein, damit die letzten Wochen der Hessen die Fußball-Seele quälen. Lange galten die Frankfurter als Gegenbeweis für die Theorie, dass nur die Platzhirsche (FC Bayern, Borussia Dortmund) und von Großkonzernen aufgemotzte Club-Projekte (Leipzig, Wolfsburg, Leverkusen) die vordersten Ränge der Bundesliga erklimmen können.

Mit begeisterndem Offensiv-Fußball mischt(e) das Team vom Main diese scheinbar geschlossene Gesellschaft auf und eroberte Sympathien weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus. Auch personelle Abgänge schien man problemlos weg zu stecken. Dann zauberte man halt den nächsten Unbekannten oder woanders Gescheiterten aus dem Hut, únd dieser spielte im Eintracht-Trikot plötzlich groß auf. Bis vor wenigen Wochen das Kartenhaus Frankfurt einzustürzen begann.

Hübner weg. Bobic weg. Hütter weg. Und das Führungstrio wechselt nicht ein fußballerisches Stockwerk höher, sondern pausiert, geht zu Hertha BSC und nach Gladbach.

Sportlich verspielte man prompt die Champions League und landet stattdessen „nur“ in der Europa League. Durch unglückliche Sätze – vor allem von Bobic und Hütter – gehen die Macher nicht im Frieden, sondern mit Nebengeräuschen, die ihrem Gesamtwerk nicht gerecht werden. Da die Misere jedoch zum größten Teil selbst verschuldet wurde, ist jedes Mitleid fehlt am Platz. Dennoch sehr traurig, dass das Frankfurter Märchen so endet. Zerstritten und in der Europa League. Anstatt würdevoll und in der Champions League.

So werden sich die letzten Wochen wie ein Schatten über die Amtszeit der Abtrünnigen legen. Die herausragenden Leistungen zuvor wandern ins Langzeitgedächtnis. Wie es anders gehen kann, demonstrierte Hütter-Vorgänger Niko Kovac. Nachdem er seinen Wechsel zum FC Bayern bekannt gab, wurde es ebenfalls ungemütlich für den Frankfurt-Coach. Doch das letze Bild, das den Fans von Kovac in Erinnerung bleiben wird ist, mit dem DFB-Pokal in der Hand auf dem Balkon des Frankfürter Römer. Gefeiert von über 20 000 Fans.

Hütter wird als zaudernder Abgewanderter, der sein Team aus der Königsklasse quatschte, im Gedächtnis bleiben. Auch wenn das nur ein Wimpernschlag seiner Frankfurter Amtszeit gewesen ist. Aber der letzte.

Daniel.Mueksch@ovb.net

Artikel 1 von 11