München – Der 22. Mai 2021 ist ein Tag, der in die Geschichtsbücher der Bundesliga eingehen kann. Am Samstag kann, knapp ein halbes Jahrhundert später, der offenbar doch nicht so ewige Torrekord von Gerd Müller endgültig geknackt werden. Schuld daran ist ein gewisser Robert Lewandowski, der bereits am vergangenen Samstag im Schwarzwald die schier unglaubliche Marke des „Bombers“ von 40 Toren in einer einzigen Ligasaison egalisiert hatte. Trifft der polnische Weltfußballer beim Schlussakt des FC Bayern gegen den FC Augsburg vor den 250 Fans in der heimischen Allianz Arena erneut, ist der Gerd entthront. Dass sich Lewandowski die alleinige Bestmarke sichert, will jedoch ausgerechnet ein Landsmann des Stürmers verhindern. Die Rede ist von Rafal Gikiewicz, 1987 im polnischen Olsztyn auf die Welt gekommen und seines Zeichens Torhüter des FC Augsburg.
Im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ erklärte der Schwaben-Schlussmann, welches übergeordnete Ziel er beim Gastspiel in der Landeshauptstadt verfolgt. „Ganz klar: die Null halten“, so Gikiewicz. Der 33-Jährige weiter: „Wir haben als FC Augsburg die Chance, in jeder Zeitung, in jedem TV-Bericht vorzukommen als die Mannschaft, die Robert Lewandowski und den FC Bayern München stoppte.“
Zum nationalen Duell mit dem Super-Knipser Lewandowski fügte er an: „Das ist natürlich ein großes Thema, auch in Polen. Ein polnischer Torhüter gegen den polnischen Stürmer. Aber wenn wir als Team keine gute Leistung zeigen, dann kann auch ich nichts gegen Robert ausrichten.“
Die Augsburger müssen sicherstellen, dass ihr Strafraum zur Sperrzone für Lewandowski wird. Der Blick auf die bisherigen Treffer des 32-jährigen Bayern-Stars zeigt nämlich, dass das Attribut Strafraumstürmer auf keinen Torjäger so sehr zutrifft wie auf ihn. Eine Grafik des Taktikanalysten Marius Fischer zeigt, dass der Münchner Goalgetter 93,75 Prozent seiner Ligatreffer im Sechzehner erzielt hat. Zieht man nämlich die acht Elfmeter ab, die Lewandowski in der laufenden Bundesligasaison verwandelt hat, so bleiben 32 Tore übrig, die der Pole aus dem Spiel heraus markiert hat. Auffällig: 30 davon hat Lewy in des Gegners Box erzielt.
Beim Blick auf seine Hilfsmittel wird zudem deutlich: Gerade sein rechtes Bein ist brandgefährlich. 21 besagter 32 Treffer erzielte Lewandowski mit rechts,vier versenkte er mit links, sieben per Kopf. Alles in allem ergibt das einen Ligatreffer alle 59 Minuten, Gikiewicz dürfte also gewarnt sein. Auch, wenn es zum Elfmeter kommt – von elf getretenen hat Lewandowski in dieser Saison nämlich zehn verwandelt. „Er ist 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche Fußball-Profi“, weiß der Augsburger Schlussmann – dem alle Gerd-Müller-Fans am Samstag insgeheim die Daumen drücken.