Ein Pechvogel sucht das Glück

von Redaktion

Die Kritik an Timo Werner beim FC Chelsea reißt nicht ab – Im CL-Finale kann er es allen beweisen

London – Timo Werner ist ein Internet-Phänomen. Links vorbei, rechts daneben oder völlig frei den Torwart angeschossen: Seit Monaten spielt der deutsche Angreifer des FC Chelsea die unfreiwillige Hauptrolle in wenig schmeichelhaften Videoclips. Der Ruf des Chancentods verfolgte ihn schnell in seiner Debütsaison in Blau, doch mit dem Siegtor im Champions-League-Finale wäre Werner auf einen Schlag rehabilitiert.

Die harsche Kritik könnte dem 25-Jährigen auf der „Mission Henkelpott“ vielleicht sogar geholfen haben. Sie hat ihn jedenfalls abgehärtet. „Mich haut so schnell wirklich nichts mehr um. Sicherlich ist das Fell, was ich mir über die Jahre zugelegt habe, noch mal etwas dicker geworden in den letzten Monaten“, sagte er im Sport1-Interview vor dem Königsklassen-Endspiel am Samstag gegen Manchester City.

Medien und TV-Experten gingen weder in England noch in der Heimat zimperlich mit Werner um, der zur Saisonmitte eine 1000 Minuten lange Torflaute durchlitten hatte. Zudem produzierte er eben jene hanebüchenen Bilder von vergebenen Torchancen, die ihm im World Wide Web zu zweifelhafter Berühmtheit verhalfen.

Doch Werner hat gelernt, damit umzugehen – und bereut den 53 Millionen Euro teuren Wechsel von RB Leipzig nach London im vergangenen Sommer kein bisschen. „Ich versuche immer weniger über mich zu lesen. Denn ich bin nur ein Mensch und jeder nimmt sich das irgendwann mal zu Herzen und macht sich seine Gedanken“, sagte der Stürmer.

Er versuche immer, „solche Dinge auch mit Humor zu nehmen“. Lernen musste er dies im knallharten Fußballgeschäft früh. Nach seiner mittlerweile legendären Schwalbe gegen Schalke 04 im Jahr 2016, damals noch in Diensten des VfB Stuttgart, wurde Werner zum Feindbild der Fankurven.

Es spricht für Werner, dass er so etwas locker nimmt. Mit Freunden habe er den fragwürdigen Song schon selber einmal mitgesungen. „Schafft ja schließlich auch nicht jeder, dass T-Shirts mit dem eigenen Namen in jedem Laden auf Mallorca hängen“, meinte er.

In England gibt es inzwischen einen wohlwollenden Werner-„Fan Chant“. Zur Melodie von Depeche Modes „Just can’t get enough“ singen die Blues-Fans, dass sie von ihrem Stürmer einfach nicht genug bekommen. Denn trotz der vielen Hundertprozentigen, die der Deutsche vergab, ist er mit zwölf Toren und 15 Assists Chelseas bester Scorer.

Mitspieler Antonio Rüdiger sieht für Samstag in Werner gar die Geheimwaffe des Teams. „Wenn wir uns befreien, kommt zum Beispiel Timo Werners große Stärke, sein Tempo, richtig zur Geltung“, sagte der Verteidiger dem „kicker“: „Den Spieler möchte ich sehen, der ihn dann bei einem 50-Meter-Sprint schlägt.“ Und dann muss er ihn nur noch reinmachen.  sid

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