Rochaden an der Seitenlinie

Trainer mit Karriereplan

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Da waren es nur noch vier: So viele Bundesliga-Trainer stehen bei den Vereinen noch unter Vertrag, mit denen sie auch in die gerade abgelaufene Saison gestartet sind. Christian Streich (SC Freiburg), Urs Fischer (Union Berlin), Sebastian Hoeneß (TSG Hoffenheim) und Pellegrino Matarazzo (VfB Stuttgart) bilden dieses exotische Quartett.

Natürlich gibt es noch den Klassiker des ausbleibenden sportlichen Erfolgs als Motiv für das rege Kommen und Gehen. Gerade im Abstiegskampf. Köln, Mainz, Bremen, Schalke, Augsburg, Bielefeld, Hertha – sie alle haben Trainer getauscht in der Hoffnung, so doch noch die Klasse zu halten. Mit recht unterschiedlichem Erfolg. Aber ein altbewährter Versuch.

Erstaunliches vollzieht sich hingegen in den obereren Tabellenregionen. Hier wechseln Trainer den Club, wohl wissend, dass sie sich mit dem neuen Arbeitgeber sportlich in der kommenden Saison erst einmal verschlechtern: Adi Hütter wechselt vom Europa-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt zu Borussia Mönchengladbach, europäischer Zaungast in der nächsten Spielzeit. Sein Nachfolger in Frankfurt wiederum heißt Oliver Glasner, der aus Wolfsburg kommt. Mit dem VfL konnte er sich für die Champions League qualifizieren. In Hessen muss er mit der Europa League vorlieb nehmen.

Was lernen wir daraus? Waren es in den letzten Jahren vor allem die Vereine, die immer schneller nervös wurden und nach neuen personellen Impulsen gesucht haben, geht dieses Denken zunehmend auch auf die Trainer über. Sie betrachten die Qualität des Kaders und die finanziellen Möglichkeiten des Arbeitgebers. Und kommen sie dann zu dem Ergebnis, mit diesem Verein das Maximale erreicht zu haben, ziehen sie lieber weiter, anstatt die Leistung bestätigen zu wollen. Zu groß scheint das Risiko, nicht ein weiteres Mal so eindrucksvoll abzuliefern und in der Trainer-Hierarchie wieder abzusteigen.

Sie denken immer mehr in Karriereschritten. Immer mehr Trainer leisten sich zudem eigene Berater und entwerfen mit ihnen einen Fahrplan für die Laufbahn an der Seitenlinie.

Das Trainer-Karussell wird daher in Zukunft nicht langsamer, sondern noch mehr Fahrt aufnehmen.

In jeder Tabellenregion.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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