Los Angeles – Es war mal wieder Zeit für einen Blick auf das Panik-Barometer in LA. Der übliche Mechanismus in der Welt des Basketballs mit Los Angeles als Hauptstadt. Die nationale Presse erkundigt sich gerne nach dem Befinden der Lakers und speziell dem Gemütszustand von LeBron James, der Lokomotive der gesamten NBA. Vor allem, wenn er und die Lakers gerade nicht wie erwartet alles und immer gewinnen. Allerdings war man sich schnell einig, dass die Gefahrenlage im Farbspektrum schlimmstenfalls zwischen dunkelgelb und hellorange anzusetzen ist. Nach dem Playoffsieg Freitagtagnacht über die Phoenix Suns (109:95), mit dem die Lakers in der Serie 2:1 führen, leuchtet das LA-LA-Land wieder in Gold-Gelb, gemäß dem Motto: Na, läuft doch.
Wobei niemand die Gefahrenlage vernachlässigen sollte. Die zusammengepresste Coronasaison mit all ihren Hindernissen und Fallen rüttelte gewaltig am Meister und seinem Teamgefüge, ja seiner Identität. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, für welchen Stil der Kader eigentlich ausgelegt ist: Groß und mächtig? Klein und wurfstark? Die schweren Verletzungen ihrer Stars, LeBron James (Sprunggelenk) und Anthony Davis (Achillessehne), verlangsamten den Reifeprozess, den jedes Meisterteam zu durchlaufen hat. Andere Clubs, wie etwa 2019-Champion Toronto Raptors, erdrückten die Umstände. Die Überbleibsel der Lakers aber um Dennis Schröder, die dritte Kraft, taumelten als Siebte ins Ziel und hievten sich über die Qualifikationsspiele (da wieder mit James und Davis) mit viel Mühe in die Playoffs.
Im Gelobten Land des Basketballs sind sie nun angekommen und versuchen, die Geschichte umzuschreiben. Noch nie hat der Siebte den Titel gewonnen. Andererseits hat auch noch keine derart schlecht-platzierte Mannschaft zwei Stars dieser Güte aufgestellt – Urgewalt mal zwei. Die Symptome des Umschwungs tauchen längst allerorts auf. Nach der Niederlage in Spiel eins in Phoenix und einer eher mäßigen Leistung walzte Anthony Davis zuletzt wieder durch die Zone, war bei beiden Erfolgen Top-Werfer mit 30 respektive 34 Zählern. Und auch LeBron James erinnerte zumindest zeitweise wieder an die physische Gewalt, die seit bald zwei Jahrzehnten NBA-Körbe tyrannisiert.
James, der Meister der kryptischen Botschaften, hat zuletzt wieder ein Statement ohne den dazugehörigen Dechiffrier-Code abgegeben. Vor den Playoffs gab er zu Protokoll: „Ich denke, ich werde nie mehr in meiner Karriere auf 100 Prozent kommen.“ Ok, der Mann ist 36 Jahre alt – die James-Deuter aber legten seine Worte wie folgt aus: Sollte er, der 2,06-Meter-Forward, es schaffen, in dieser Verfassung den Titel zu gewinnen, dann gehöre er endgültig auf eine Stufe mit Michael Jordan im Basketball-Pantheon – als Bester aller Zeiten.
Noch nagen die Folgen der Bänderverletzung an ihm und seinem Spiel. Er wirkt weniger explosiv als früher. So lange sein Körper nicht mitmacht, ist er auf Davis und Schröder als Zuarbeiter deluxe angewiesen. Den Sieg über die Suns zementierte aber die Defensive, einzige Konstante dieser Saison.
In früheren Tagen standen die Lakers für Show und Spaß. Die aktuelle Version malocht. Je länger sich die Mannschaft in den Playoffs halten, desto besser dürfte sie werden. Davor fürchtet sich die Liga. Das erste Zwischenziel ist erreicht. Nach neun Jahren gewannen sie wieder ein Playoff-Duell im heimischen Staples-Center vor 7500 Zuschauern. Im Vorjahr hatten sie den Titel ja in der Disney-Bubble. Nun öffnen überall in den USA die Arenen. Und diese Bühne hat Basketball-König LeBron James König immer gesucht.