Das Sorgenkind wird Trumpfkarte

von Redaktion

Nihad Djedovic fehlte Bayerns Basketballern drei Monate – im Halbfinale meldet er sich zurück

VON PATRICK REICHELT

München – Man hat in diesen Playoff-Tagen ja nicht viel Luft als Basketballprofi. Einen kleinen Seitenblick hat Nihad Djedovic gestern aber doch Richtung Köln geworfen. Die Halbfinals der Eutoleague weckten leicht wehmütige Erinnerungen. „Du denkst schon daran, was für eine gute Chance wir gehabt haben“, sagte der Kapitän der Basketballer des FC Bayern.

Aber nun gut, dafür ist man nun andernorts gefragt. Am Samstag (20.30 Uhr/MagentaSport) müssen die Münchner zum Auftakt der Bundesliga- Halbfinalserie erstmals bei Hauptrundenmeister Riesen Ludwigsburg ran. Und es ist eine der schönsten Fügungen dieser Tage, dass man in diesem Zusammenhang tatsächlich auch von Nihad Djedovic sprechen kann.

Auf ganze neun BBL-Einsätze hatte es in der 31-Jährige in der abgelaufenen Hauptrunde gebracht. Am 9. Febuar in Ulm trug Djedovic letztmals das Bayern-Trikot. Was folgte war die nächste Zwangspause mit Operation und Aufbauprogramm. Das hat Djedovic in den beiden letzten Spielzeiten oft erlebt. „Das war nicht einfach für mich“ sage er. Es hat ihm geholfen, dass es wenigstens privat nach Wunsch lief. Ende des Jahres ist er zum zweiten Mal Vater geworden. „Einfach schön“, wie er sagt, „und es ist etwas, was einen noch einmal extra motiviert.“

Und es scheint sich gelohnt zu haben. Im Viertelfinale gegen Crailsheim durfte der Kapitän schon wieder ein bisschen Wettkampfluft schnuppern. Und jetzt? Der Rückkehrer weiß selbst, dass ihm bei aller Fitness, Training und basketballerische Praxis fehlen. Und doch wird Trainer Andrea Trinchieri bei der weiteren Entwicklung seines Sorgenkinds genau hinsehen. Immerhin ging den Bayern vor einigen Wochen in Nick Weiler-Babb ein aggressiver Verteidiger verletzt verloren. Und Djedovic glaubt schon, dass er die Lücke zumindest schließen helfen kann. Gerade gegen die wuseligen Ludwigsburger Athleten.

„Die Defensive entscheidet die Meisterschaft“, sagte er. „Ich glaube schon, dass ich da helfen kann.“ Druck macht ihm niemand, der Endspurt dieser Spielzeit ist für ihn ein „alles kann, nichts muss“. Das ist auch eine Leere aus Djedovics Erfahrungen der beiden letzten beiden Spielzeiten. In denen es ihn manchmal wohl zu schnell zurück aufs Spielfeld drängte. „Es war halt auch immer Druck da. Letztes Jahr, weil es in der Euroleague so schlecht lief“, sagte er, „in diesem Jahr weil es so gut lief.“´Bis zum Februar, bis er sich einer Knie-OP unterziehen musste. Seinerzeit hat man ihm alle Zeit der Welt versprochen. Nach dem Motto: Comeback bitte lieber spät, aber dafür richtig.

Wobei Djedovic zu Playoffserien gegen Ludwigsburg ein durchaus gespaltenes Verhältnis hat. Und das hat nicht nur mit dem vorjährigen Aus beim Final-10 zu tun. In der Saison 2013/14 brach sich Djedovic in Spiel zwei einer viel diskutierten Viertelfinalserie in Ludwigsburg die Hand. Immerhin: Auch ohne ihn wurden die Bayern wenig später durch einen Finalsieg gegen Alba Berlin Deutscher Meister. So würde es der Münchner Kapitän zur Not wohl auch in diesem Jahr hinnehmen.

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