Volle Attacke in Tirol

von Redaktion

Die ersten deutschen Nationalspieler treffen im Trainingslager ein

VON PHILIPP KESSLER UND MANUEL BONKE

Seefeld – Die Allerersten trafen schon zur Mittagsstunde ein. Jonas Hofmann (28), Matthias Ginter (27/beide Gladbach), Emre Can (27/Dortmund), Robin Gosens (26/Atalanta) und Kevin Trapp (30/Frankfurt) landeten am Freitag erst mit dem Flugzeug in Innsbruck und fuhren dann mit dem Mannschaftsbus zum 4-Sterne-Hotel Nidum. Die Bayern-Stars Manuel Neuer (35), Joshua Kimmich (26) und Thomas Müller (31) wurden im VW-Bus zum Mannschaftsquartier kutschiert. Der ebenfalls von Löw begnadigte Mats Hummels (32/Dortmund) kam im SUV an.

„Volle Attacke“, kündigte Müller zum Auftakt des EM-Trainingslagers im sonnigen Seefeld an. Er freue sich „auf den Start eines neuen Kapitels“. DFB-Direktor Oliver Bierhoff ließ unterdessen anklingen, dass an die Rückkehrer Müller und Hummels hohe Erwartungen geknüpft sind. „Sie sind Führungsspieler“, betonte Bierhoff nach dem gemeinsamen Mittagessen. Daher sei es „wichtig, dass sie als Vorbild vorneweg marschieren“. In diesem Fall schlucke er auch gerne den einen der anderen Spruch runter, den „Radio“ Müller jetzt schon gebracht habe, sagte Bierhoff schmunzelnd über die erste Begegnung mit dem Münchner. Grundsätzlich meinte der 53-Jährige: In Seefeld müsse man „Entschlossenheit, eiserne Disziplin und absoluten Siegeswillen entwickeln“. Mit Blick auf eine erfolgreiche EM wolle man sich „durch nichts aufhalten lassen“.

Im idyllischen Seefeld in Tirol will Jogi Löw (61) die deutsche Nationalmannschaft bei seinem letzten Turnier als Bundestrainer zu EM-Gipfelstürmern formen. Fans und Schaulustige werden vor Ort aber kaum etwas mitbekommen. Das Luxus-Hotel mit 1500 Quadratmetern Wellnessbereich wird 24 Stunden von Sicherheitspersonal überwacht. Nicht nur vor dem Hotel Nidum, sondern schon an der Zufahrt zum Quartier steht Security. Das Wachpersonal hat sogar eine Liste mit Fotos des Hotel-Personals, damit niemand Unbefugtes dem DFB-Tross zu nahe kommen kann. Auch Paketdienste müssen ihren Personalausweis vorzeigen.

Ein Corona-Fall innerhalb der Mannschaft wäre der Super-GAU. Daher soll der DFB völlig abgeschirmt von der Außenwelt in seiner eigenen Blase leben. Gestern durften nur Fotografen und Kameraleute bei der Ankunft der Spieler vor dem Hotel Bildmaterial aufnehmen.

Die zweieinhalb Trainingsplätze sind von Zäunen umgeben. Der eine ist zwei Meter hoch und zweieinhalb Kilometer lang, der andere 1,2 Meter hoch und 500 Meter lang. Diese Maßnahme soll sowohl als Sicht- als auch Corona-Schutz dienen. Ein Zeichen für die Fans: „Es lohnt sich nicht, hierher zu kommen.“

Daher werden die Trainingsplätze ebenso wie das Hotel 24 Stunden täglich von Security-Mitarbeitern überwacht. Diese sollen sogar regelmäßig unter der Tribüne für die Presse nach möglichen Gefahren suchen. Auch die Medienvertreter müssen sich spätestens alle 48 Stunden auf Corona testen lassen. Das gilt selbst für doppelt geimpfte oder genesene DFB-Mitarbeiter. Wie ernst die Olympiaregion Seefeld und die deutsche Nationalmannschaft die Pandemie nehmen, zeigt auch folgendes Beispiel: Selbst DFB-Pressesprecher Jens Grittner (51) wohnt nicht im Mannschaftshotel.

Mannschaftsarzt Tim Meyer erklärte: „Generell ist die pandemische Lage in den letzten Wochen deutlich besser geworden. In Deutschland haben wir eine sehr günstige Entwicklung. Wir stehen deutlich besser da als vor einiger Zeit, was die Ansteckungswahrscheinlichkeit in jeglichem Umfeld verringert: Je länger wir zusammen sind und je länger wir dabei auch keine Fälle von Corona haben, wird das Ganze ebenfalls sicherer.“

Zudem sind bereits Spieler und Betreuer geimpft. Meyer: „Wir haben einen erwähnenswerten Anteil von zumindest einmal, teilweise zweimal Geimpften, was die Sicherheit zusätzlich erhöht.“ Kein Spieler sei aber schon vollständig geimpft.

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