München – Kardiologe Dr. Dietrich Andresen (Berlin) spricht über den dramatischen Herzstillstand des Dänen Christian Eriksen.
Herr Dr. Andresen, Sie sind Kardiologe, Notfallmediziner und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Was genau ist passiert, als Christian Eriksen zusammengebrochen ist?
Andresen: Unser Herz ist ein Hohlmuskel, der als Pumpe funktioniert, indem er sich zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt. Wenn dieser Stromimpuls plötzlich aussetzt oder so schnell rast, dass das Herz nur noch zittert, wird kein Blut mehr in den Kreislauf gepumpt. Der Blutdruck sinkt auf null. Der Kreislauf bricht zusammen, der Patient bricht zusammen. Es beginnt der Wettlauf gegen die Zeit.
Im Fall Eriksen haben Spieler und Mediziner sehr schnell reagiert.
Andresen: Man sagt, dass bei einem Herzstillstand nur noch zehn Minuten zum Überleben bleiben. Pro Minute sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. Der Patient verspürt schon nach vier Sekunden eine ‚Leere’ im Kopf. Nach acht Sekunden bricht er bewusstlos zusammen. Nach zwei bis drei Minuten hört er auf zu atmen. Zum Glück haben die Mediziner sehr schnell mit der Herzdruckmassage begonnen und auch einen Defibrillator eingesetzt.
Kann Eriksen jemals wieder Fußball spielen?
Andresen: Das hängt von der Fähigkeit ab, den Ort, an dem die elektrische Störung auftritt, zu finden.
Interview: Philipp Kessler