Ein Stammspieler muss auch Joker sein

von Redaktion

Leroy Sané und Timo Werner gehen mit ihrer reduzierten Rolle unterschiedlich um

VON GÜNTER KLEIN

München – Das hätte der Abend von Leroy Sané werden können – als Joker für die Schlussoffensive. Spiel gegen den Weltmeister mit seinen weltbesten Stürmern, die größte Bühne für einen, dem man zutraut, dieser Kategorie ebenfalls anzugehören. Zeig der Welt, dass du besser bist als Kylian Mbappé. Doch es folgte kein Mario-Götze-Hochbegabten-Moment wie im WM-Finale 2014, Sané blieb ohne Einfluss. Und weil er nach dem 0:1 gegen Frankreich nicht angemessen traurig dreinblickte, brachte er auch das Netz mal wieder gegen sich auf.

Sanés Turniergeschichte ist dabei, weiter einen Verlauf zu nehmen, der seinen Möglichkeiten nicht entspricht. EM 2016: einmal eingewechselt. Confed Cup 2017: wegen einer (verschiebbaren) Nasen-OP abgesagt. WM 2018: aus dem Kader gestrichen. EM 2020: wieder nur kurz im Spiel (ab der 74.) und keine Empfehlung abgegeben, in die Startelf zu kommen.

Sanés Freund, Förderer und ehemaliger Manchester-City-Mitspieler Ilkay Gündogan plädiert dafür, dem 25-Jährigen eine tragendere Rolle zuzuweisen: „Man hatte bei City oft das Gefühl, es führt kein Weg an ihm vorbei. Er war unglaublich. Aber er ist ein Spieler, der seinen Rhythmus braucht. Er tut sich nicht leicht, wenn er die letzten 20 Minuten reinkommt, das nächste Spiel komplett macht und danach nach einer Stunde runter muss.“ Man müsse Sané das Gefühl geben, „dass er ein Spieler ist, der den Unterschied macht“.

Leroy Sané wurde gegen Frankreich zusammen mit Timo Werner (25) eingewechselt, dem beim DFB der Stammspielerstatus abhandengekommen ist. „Es ist ein Moment, in dem ich hinten dran bin“, erkennt er seine Lage. Zwar hat er mit dem FC Chelsea die Champions League gewonnen, allerdings machte ihm die Umstellung aufs Spiel in England zu schaffen. Als Joker sieht auch Werner sich im Grunde nicht, und weil er immer herausragend in seinem Jahrgang und seinen Teams (vor allem Leipzig) war, „konnte ich mich als Einwechselspieler gar nicht beweisen“. Doch er weiß: „Auf dem Niveau, auf dem ich spielen darf, kommt der Punkt, an dem man sich auf die Bank setzen muss.“ Im Rahmen einer Rotation, fürs Team. Man kann Stammkraft und Joker sein.

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