Erhoffte Waffe erschreckend harmlos

von Redaktion

Trotz Sondertraining bleibt DFB-Team bei Standards ungefährlich

München – Eckbälle und Freistöße sollten bei der Europameisterschaft zur deutschen Waffe werden. In den letzten Wochen gab es unter der Anleitung von Co-Trainer Marcus Sorg einige Sonderschichten, um eine neue Standard-Gefahr für das Turnier zu entfachen. So viel zur Theorie.

In der Praxis sah das aber anders aus: Mit ihren Standard-Versuchen sorgten die DFB-Kicker zu keinem Zeitpunkt für Gefahr im französischen Strafraum. „Wir haben viele Standards trainiert. Leider sind wir dafür nicht belohnt worden heute“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Die Eckstöße von Joshua Kimmich schafften es teilweise nicht mal über den ersten Pfosten, die Freistöße von Toni Kroos blieben in der Mauer hängen. Wenn einmal ein Ball in den Strafraum gelangte, klärten die groß gewachsenen französischen Defensivspieler die Situation ohne Mühe.

„Bei Standards müssen zwei, drei Dinge für den Torerfolg zusammen kommen“, sagte Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan nach dem 0:1 und erklärte: „Es kommt auf die Flanke, also die Ausführung an. Dann braucht man in der Mitte aber auch eine gute Raumaufteilung und muss den Ball mit der nötigen Überzeugung attackieren. Ich hatte das Gefühl, dass eine Sache heute nicht immer so gut geklappt hat.“

Was Gündogan meint: Wenn eine gute Raumaufteilung im Strafraum herrschte, kam die Flanke nicht. Und wenn die Flanke kam, stimmte die offensive Ordnung nicht. Der Bundestrainer hatte noch einen weiteren Grund für die deutsche Standard-Schwäche ausgemacht: Frankreich sei die beste Mannschaft der letzten zwei, drei Jahre im Verteidigen von defensiven Standards: „Von daher war klar, dass sie fünf, sechs, sieben Kopfballspieler haben, die im Sechzehner extrem gut verteidigen können.“

Daher kündigte Löw im Hinblick auf das Spiel gegen Portugal (Samstag, 18 Uhr) an, bei den ruhenden Bällen erneut „den Hebel anzusetzen. Wir müssen schauen, dass wir uns da verbessern, denn wir brauchen gegen Portugal das eine oder andere Tor“. MANUEL BONKE

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