Die Taube wird zum Hit: Kick out Schwalben

von Redaktion

Das war ja wahrlich ein mitreißendes Spiel, dieses Portugal – Deutschland, aber Augen hatten die Menschen nicht nur für die eingesprungenen Torschüsse von Robin Gosens und den Beau Cristiano Ronaldo, sondern auch für eine Taube, die sich auf dem Spielfeld in München niedergelassen hatte. Sie ließ sich nicht stören von den um sie herumschwirrenden Spielern, als sie ihr Abendmahl zu sich nahm und wurde zum Hit im weltweiten Netz. Tiere gehen immer, das ist ein Betriebsgeheimnis der Medien.

Wir blicken zurück auf eine reichhaltige Kulturgeschichte des Tieres auf dem Fußballplatz. Hunde und Katzen, die für eine Unterbrechung von Spielen der höchsten Kategorie sorgten. Oder die berühmte Ente aus den 70er-Jahren, die der Maier Sepp im Olympiastadion einfangen wollte (gescheitert). Generationen später folgte das Publikum in München dem Flug einer Ente deutlich gebannter als den Laufwegen des Mittelfeldspielers Stefan Effenberg und forderte beim nächsten Heimspiel zwei Wochen später: „Ente statt Effe.“

Flugfähiges Getier hat nach wie vor die besten Chancen, in eine moderne und während eines großen Turniers bestens abgesicherte Arena vorzudringen – ein Gedanke, der wohl auch den Gleitschirmpiloten von Greenpeace animiert haben mag. Nachträglicher Spott war ihm am Samstag durch die Tauben-Show sicher: So landet man sicher, wird nicht gleich abgeführt und gewinnt Sympathien.

Dass sie von Greenpeace wäre, hat die Portugal-Deutschland-Taube nicht zu erkennen gegeben. Denkbar, dass sie in einem Auftrag unterwegs war. Es kommen in Frage: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (gegründet 1850), Vogelschutzbund (1912), Bund Naturschutz in Bayern (1913). Womöglich verfolgte die Taube aber eine artspezifische Agenda: „Kick out Schwalben.“ GÜNTER KLEIN

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