München will Flagge zeigen

von Redaktion

Deutschland – Ungarn: Stadtrat fordert regenbogenfarbene Arena – Ermittlung wegen Neuer

München – Einen solchen Briefbogen gab es in der Münchner Kommunalpolitik noch nie. Die Fraktionen von CSU, SPD, Grünen, FDP, Linke, Freie Wähler, Rosa Liste, ÖDP, Volt und Bayernpartei setzten am Freitag ein gemeinsames Papier auf: Am kommenden Mittwoch ist Stadtratsvollversammlung – und am Abend in Fröttmaning das EM-Spiel Deutschland – Ungarn. Für das gelte es: „Flagge zeigen!“ In den Farben des Regenbogens, Symbol für Diversität. Am Mittwoch sollen also in München die bunten Fahnen wehen und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sich bei der UEFA, dem derzeitigen Hausherrn in der Arena, dafür einsetzen, dass auch das Stadion entsprechend illuminiert wird.

Angeschoben hatte die Aktion ARD-Politmoderator Georg Restle („Monitor“): Der DFB müsse sich positionieren gegen das Gesetz, das das ungarische Parlament gerade verabschiedet habe und das die Zugänglichkeit von Informationen über Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit erschwert. „Wie wär’s: Eine Regenbogenflagge für jeden Fan im Stadion? Dann kriegt das auch Orban (Viktor Orban, Ministerpräsident Ungarns, d. Red.) mit.“

Die UEFA nahm indes kurzzeitig Ermittlungen gegen den DFB auf, da Manuel Neuer aus Anlass des „pride month“ (der Juni soll jedes Jahr für mehr Toleranz werben) in beiden EM-Partien eine Kapitänsbinde in den Regenbogenfarben trug. Konsequenzen gibt es jedoch keine. Die Regenbogenbinde werde „als Zeichen der Mannschaft für Vielfalt und damit für ,good cause‘ bewertet“, teilte der DFB mit. Neuer hatte das Kapitänsabzeichen bereits im Testspiel am 7. Juni gegen Lettland getragen.

Die politische Dimension des Spiels wird die Nachrichtenlage mitbestimmen. Denkbar, dass die deutschen Spieler Stellung beziehen. „Das ist auf jeden Fall ein Thema“, bestätigt Joshua Kimmich, „wir wissen, was für eine Kraft und Reichweite der Fußball und jeder einzelne von uns hat.“ Es geht auch gegen den in Ungarn salonfähigen Rassismus von Fan-Gruppen, in Budapest bekam Frankreichs Mbappé Affenlaute zu hören, zudem fiel die „Carpathian Brigade“ mit Nazi-Symbolik auf. Ein demonstrativer deutscher Kniefall ist eine Option. GÜNTER KLEIN

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