Baku – Kunstschütze Xherdan Shaqiri hat die Schweiz im Schicksalsspiel zum erlösenden ersten Sieg bei der Fußball-EM geführt und damit die Chance auf das Achtelfinale gewahrt. Im von Nationaltrainer Vladimir Petkovic zum „Spiel der letzten Chance“ deklarierten Duell um Platz drei in der Gruppe A mit der Türkei leistete der frühere Bayern-Star mit einem Doppelpack seinen Beitrag zum 3:1 (2:0) der Eidgenossen – und zeigte nach enttäuschendem Auftakt eine überragende Leistung.
Die Schweizer müssen nun auf Schützenhilfe hoffen, um als einer der vier besten Gruppendritten den Sprung unter die besten 16 Teams zu schaffen. Der frühere Frankfurter Haris Seferovic (6.) und Shaqiri (26./68.), der beim 2:0 ein Traumtor aus 20 Metern erzielte, sorgten zwar für etwas Erleichterung, doch die „Nati“ ließ einen höheren Erfolg für den direkten Achtelfinal-Einzug leichtfertig liegen. Für die Türken, für die Irfan Can Kahveci (62.) traf, ist das Turnier dagegen nach drei uninspirierten Auftritten beendet.
Shaqiri machte aus seiner Genugtuung über den Sieg keinen Hehl. „Es war wichtig, dass wir als Einheit eine Reaktion gezeigt haben. Ich bin stolz auf die Mannschaft, wie wir das gemacht haben“, sagte der 29-Jährige bei MagentaTV. Seine beiden Treffer hatte der Spieler von Teammanager Jürgen Klopp beim FC Liverpool geradezu geplant: „Wir wussten, dass wir zu Chancen kommen und Weitschüsse dabei sehr wichtig sein werden, deswegen hatte ich mir auch mehr Abschlüsse vorgenommen.“
Rekordjäger Italien hat die EM-Euphorie der Tifosi derweil weiter befeuert. Die Squadra Azzurra stürmte durch ein 1:0 (1:0) – Matteo Pessina (39.) erzielte den einzigen Treffer des Abends – gegen Wales mit drei Siegen locker durch die Gruppe A und untermauerte mit einer historischen Bestmarke ihre Ambitionen auf den ersten EM-Titel nach 53 Jahren vor dem Achtelfinale eindrucksvoll.
Auch acht Wechsel konnten die Seriensieger von Trainer Roberto Mancini nicht stoppen. Die Italiener feierten nicht nur den elften Erfolg nacheinander, sondern stellten mit 30 Spielen in Folge ohne Niederlage auch seinen Rekord aus den 30er-Jahren unter der Trainer-Legende Vittorio Pozzo ein.
Die Waliser um Superstar Gareth Bale zogen trotz der Niederlage als Tabellenzweiter ebenfalls in die K.o.-Runde ein. Bei der EM 2016 waren die „Drachen“ sensationell ins Halbfinale vorgestoßen. Die Italiener treffen im Achtelfinale im Wembley-Stadion auf Österreich oder die Ukraine. „Besser hätte es gar nicht laufen können“, sagte Mancini, „wir hätten nur noch ein Tor mehr machen können.“ dpa/sid