Genialer Leroy Sané

Auf der leichten Seite des Tableaus

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Im EM-Finale am 11. Juli wird beim Stand von 0:0 kurz vor Ende der regulären Spielzeit Bundestrainer Joachim Löw seinen seit dem letzten Vorrundenspiel nicht mehr eingesetzten Offensivspieler Leroy Sané zu sich rufen und vor der Einwechslung mitteilen, er solle der Welt zeigen, dass er besser ist als der Berühmteste beim Gegner. Sané wird dann in der Verlängerung Mario-Götze-artig das Sieg- und Titeltor erzielen. Kann das so kommen? Fußball, diese „bloody hell“, wie der große Trainer Sir Alex Ferguson seinen Sport nannte – jede Verrücktheit erscheint möglich.

Gerade Leroy Sané wird nun massiv gescholten, und tatsächlich spielte er so schlecht, dass es nicht zum Leistungsprinzip passen würde, griffe Löw weiter auf ihn zurück. Doch eines hat der Nicht-Sieg gegen Ungarn, ein Ergebnis mit wesentlicher Sané-Beteiligung, bewirkt: Als Gruppenzweiter statt Erster rutscht das DFB-Team auf die leichtere Seite des EM-Tableaus. In Frankreichs Hälfte treiben sich Italien, Belgien, Spanien und Kroatien rum, auf der deutschen Schweden, Ukraine, Tschechien, Wales, Dänemark; von den Größeren nur die Niederlande und – okay, das ist der problematische Punkt in der Diskussion – England. Andererseits: Auf England in England zu treffen – ist das nicht so wie in Brasilien gegen Brasilien zu spielen?

Die Chancen gegen England sind gut. Der deutsche Achtelfinalgegner ist von konstantem Auftreten ebenfalls weit entfernt, die Aufstellungsdiskussionen sind bei ihm noch schärfer. Zudem werden die Engländer in den nächsten Tagen verlässlich und unablässig an all ihre schweren Niederlagen gegen die Krauts erinnert, der jetzige Trainer Gareth Southgate steht vor seinem Silber-Jubiläum als Elfmeter-Versager gegen Deutschland in Wembley – geduldig kann die DFB-Vertretung einer Entscheidung vom Punkt entgegenspielen. Durch einen Drama-Sieg würde sie wieder vom Mythos des Turniermonsters umflort, vor dem bis einschließlich Halbfinale alle auf die Knie gehen würden. Über die Fortführung seines Trial-and-Error-Prinzips könnte auch der immer noch etwas konfus wirkende Jogi Löw die passende Aufstellung und Taktik finden.

Und wie gesagt: Im Endspiel Dankes-Einsatz für Leroy Sané, den Architekten des deutschen EM-Tableaus.

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