Hart, aber herzlich!

von Redaktion

Leon Goretzka hält Deutschland im EM-Turnier – und sendet Liebesgrüße

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Bayern-Star Leon Goretzka (26) hat Deutschland mit seinem Knaller-Tor sechs Minuten vor dem Abpfiff vor der Mega-Blamage bei der Europameisterschaft bewahrt. Für Gesprächsstoff sorgte aber vor allem sein Jubel danach.

Goretzkas Herz, das er nach seinem Treffer mit den Fingern Richtung des ungarischen Fanblocks zeigte, ärgerte den Mob im Norden des Münchner EM-Stadions vermutlich besonders. Es war ein dickes Ausrufezeichen gegen die faschistischen und homophoben Anhänger aus Ungarn, die während der Partie schon für mehrere Entgleisungen gesorgt hatten.

Zunächst wendeten sie sich dem Spielfeld bei der deutschen Nationalhymne mit dem Rücken zu und stimmten ein eigenes Lied an. Dann ertönten angesichts der Regenbogen-Fähnchen im Stadion immer wieder „Deutschland, Deutschland, homosexuell“-Gesänge. Zudem hatten die Chaoten versucht, einen angrenzenden Block mit deutschen Fans zu stürmen. Die Polizei konnte das noch verhindern. Ein Flaschenwerfer wurde abgeführt und angezeigt.

Beim zweiten Vorrunden-Spiel zwischen Ungarn und Frankreich wurde zum Beispiel Kylian Mbappé (22) mit Affenlauten bedacht und der Hitlergruß gezeigt. Für all diese Aktionen gab es nun – neben dem Heimfahrt-Ticket – auch noch Goretzkas Herz. Hart, aber herzlich!

Im Internet erntete Goretzka für seine Geste gegen Hass und Homophobie im Fußball viel Applaus. „Der passendste Jubel in die richtige Richtung. Leon Goretzka wie immer in allen Belangen großartig“, schrieb ein Twitter-User im Internet. Ein weiterer Kommentar lautete: „Ein bisschen Herz vor dem Nazi-Hool-Block. Leon Goretzka hat seines am richtigen Fleck. Ehrenmann.“ Leider verpasste es das ZDF, Goretzka im Interview nach dem Spiel zu seinem Jubel zu fragen, für weitere Interviews stand der Mittelfeldspieler nach der Begegnung nicht zur Verfügung. So blieb nur noch eine kurze Nachricht auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken mit der Botschaft: „Verbreitet Liebe“ und einem Regenbogensymbol am Ende des aufwühlenden Abends.

Schon während des EM-Trainingslagers in Seefeld in Tirol betonte Goretzka Ende Mai: „Wenn ich für unser Land spielen darf, möchte ich für unsere Werte und Verfassung spielen, nicht für ein Land, das in Geschichte nicht aufgepasst hat. Schwarz-Rot-Gold sind die Farben unserer Demokratie, nicht der Rechten.“

Der Nationalspieler ist bekannt dafür, bei wichtigen Themen öffentlich Stellung zu beziehen. Vergangenes Jahr hat er sich mit der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer (99) getroffen. Die rechtspopulistische Partei AfD hält er für unwählbar: „Für mich ist es keine Alternative, sondern eine Schande für Deutschland.“ Für die Robert-Enke-Stiftung zur Behandlung von Depressionen engagiert er sich ebenfalls. Neben Goretzka setzten auch seine DFB-Kollegen rund um das Ungarn-Spiel Zeichen für Toleranz. Mats Hummels (32) trug auf der Pressekonferenz vor der Partie ein buntes T-Shirt aus der Love-unites-(Liebe verbindet) -Linie von Adidas.

Kapitän Manuel Neuer (35) setzte am Mittwoch nach dem 2:2 seine zuletzt diskutierte Regenbogenbinde in Szene. Beim UEFA-Interview-Kanal hatte er sie am linken Handgelenk. Oft kratzte er sich beim Gespräch mit der Hand an der Nase, damit die Binde auch gut im TV-Bild zu sehen war – clever.

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