München – Es gibt sie wirklich: bekennende Jogi-Löw-Fans. Vier (alle vier?) waren in München, gewandet wie der Bundestrainer, sie trugen Löw-Perücken und passten eine Dreiviertelstunde nach Schlusspfiff ihr Idol ab für ein gemeinsames Foto in der ersten Reihe, Es wäre fast Löws Abschiedsspiel gewesen. Er sagte: „Darüber habe ich gar nicht nachgedacht.“ Zu sehr war er beschäftigt mit dem, „was an Hin und Her im Spiel passiert ist“.
Und was, wenn es vorbeigewesen wäre nach 17 Jahren beim DFB, nach 15 als Cheftrainer? Wie wäre die Nacht, der „Day After“ für ihn und sein Team verlaufen?
Die Rückfahrt nach Herzogenaurach: Schweigen im Bus, alle beschäftigt mit den Smartphones. Aber nicht Spotify, sondern Flugseiten und booking.com. Abreise 25. Juni, Unterkünfte Mallorca, Sardinien, Dubai.
Die Nacht in Herzogenaurach: Keiner kann und will schlafen. Kimmich, Volland und Gnabry geben auf dem Marktplatz des Homegrounds ein Abschlusskonzert. Das Repertoire beginnt mit melancholischen Titeln, dann wird es von Stück zu Stück aggressiver, am Ende ist man bei Motörhead, der mit seiner Leistung (fußballerisch und musikalisch) unzufriedene Joshua Kimmich zertrümmert seine Gitarre. Das Signal zur Abrissparty der Holz-Bungalows auf dem Adidas-Campus. Nur das von Toni Kroos bewohnte Haus bleibt stehen – er bittet um Ruhe, da er mit Bruder Felix gerade seinen Podcast aufnimmt.
Die Aufarbeitung: Spontane virtuelle Mittags-Pressekonferenz in Herzogenaurach mit Löw und Oliver Bierhoff; die Spieler sind bis auf Thomas Müller und Manuel Neuer, die noch Paddle Tennis spielen, schon weg. Sie legen sich bei Nachbar Puma Inkognito-Kleidung für die nächsten Tage zu. Bierhoff sagt, man sei enttäuscht, doch es war klar, dass man eine schwere Gruppe erwischt habe und die Mannschaft mit ihren im Schnitt 29 Jahren noch jung sei. Höhepunkt: wird 2024 erreicht. Jogi Löw erklärt, er sei „vor allem scho au dankbar für die Zeit“. Er erzählt noch ein wenig von 2010 und 2014. Die Mannschaft wähne er „beim Hansi in guten Händen“, sie sei jetzt schon Favorit für 2024. Er selbst könne im Moment noch nicht sagen, was er künftig mache, sicher aber erst mal Urlaub. Dann geht er ein letztes Mal in den Trainerbungalow, die Espressomaschine einpacken, GÜNTER KLEIN