Corona und Olympia

Das Virus spielt einfach nicht mit

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

In den letzten Tagen schien es plötzlich, als könne doch noch so etwas wie Vorfreude auf die Olympischen Spiele in Tokio aufkommen. Von den ersten Athleten, die schon in Japan angekommen sind, hörte man, dass die Vorfreude der Bevölkerung vor Ort durchaus größer ist, als von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Und auch der nimmermüde Feldzug von Thomas Bach schien Früchte zu tragen. Der IOC-Präsident kämpft leidenschaftlich für einen guten Start der größten Sportveranstaltung der Welt. Mit ungewohnt offenen und ehrlichen Worten waren selbst notorische IOC-Nörgler angetan von den Auftritten des Deutschen. Doch Covid-19 hat kein Gespür für sportpolitische Befriedungen. Das Virus schlägt gerade wieder verstärkt zu und bestimmt die Schlagzeilen wenige Tage bevor das Feuer im Olympiastadion von Tokio entzündet wird.

Die ersten Corona-Fälle bei Athleten sowie Funktionären sind publik und stehen auf den Titelseiten. Natürlich kann man die Fälle auch als Beweis für die Funktionstüchtigkeit der Teststrategie interpretieren und die damit bewiesene Sicherheit betonen. Viel mehr als Sportpropaganda unter den fünf Ringen ist das allerdings nicht. Schon jetzt ist klar: Der erhoffte globale Neuanfang wird nicht von den Spielen ausgehen. Es werden nicht die fröhlichen Wettkämpfe, die bezeugen, dass wir – die Menschheit – Covid-19 besiegt und überwunden haben. Wir alle müssen auch noch weitere Monate (mindestens) mit sehr konkreten Einschränkungen leben. Sei es bei der Planung für den Urlaub oder dem Schwimmbadbesuch.

Dennoch ist es richtig, dass die Olympischen Spiele am Freitag in Tokio starten. Nicht, damit sich das IOC an Sponsoring und TV-Verträge halten kann und sich der finanzielle Verlust in Grenzen hält. Sondern für die Sportler. Besonders aus den klassischen Olympia-Disziplinen wie der Leichtathletik oder dem Schwimmen.

Ihnen ist eine weitere Verzögerung nicht mehr zuzumuten. Profifußballer, Basketballprofis aus der NBA oder fürstlich entlohnte Tennisstars ziehen einfach in die nächste Corona-Blase, in der sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Viele Profisportler haben diesen Luxus nicht. Für sie sind die Olympischen Spiele im wahrsten Sinndes Wortes: existenziell.

Selbst die Corona-Spiele von Tokio.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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