GLOSSE
Glückwunsch, Tokio! Deine Olympischen Spiele sind die besten dieses Jahrtausends. Zumindest in einer Hinsicht: Es ist fast Schluss mit der ekelhaften Medaillen-Beißerei.
Sie rührte her vom Bisstest, den der Numismatiker vornahm, wenn er die Echtheit einer Goldmünze prüfen wollte. Kommt in vielen Filmen vor (und ist vergleichbar dem Test des Kommissars, wenn er weißes Pulver auffindet, den Verdacht hat, dass es Kokain ist, mit dem kleinen Finger kurz seine Schleimhaut betupft und „Reiner Stoff“ sagt).
Vor zwanzig Jahren fing es bei Olympia an, dass oben auf dem Podium demonstrativ in die gerade gewonnene Medaille gebissen wurde. Auch die mit Silber und Bronze machten mit, befeuert von den Fotografen aus aller Welt, die neue Motive verkaufen wollten.
2021 haben bislang erst drei Olympia-Menschen ihr Edelmetall zum Mund geführt: eine russische und eine amerikanische Fechterin, ein tunesischer Schwimmer. Die anderen, die ausgezeichnet wurden, haben das mit Corona und möglichen Schmierinfektionen dann doch verstanden. Und nutzten die 30 Sekunden, in der sie die Maske abnehmen dürfen, zum Durchatmen (hoffentlich ohne gemeine Aerosole) und nicht zum Rumschlecken an Sachen, die andere in der Hand hielten.
Weniger Medaillenbeißerei, weniger Zahnarztbesuche. Auch das gehört zu Olympia: Alle Teilnehmer haben das Recht auf kostenfreie zahnärztliche Behandlung. 2016 in Rio waren 80 Dentisten für die Kariesjugend der Welt im Einsatz.
Ob das mit den Medaillen aber eine Zukunft hat? Viele müssen ja (wegen Dopingenthüllung) zurückgegeben werden, das ist immer eine Schererei. Deshalb wird die Umstellung auf bargeldlose Übergabe – virtuelle Medaille in die Smartphone-Wallet unausweichlich sein.