Fußball fürs Herz

von Redaktion

Katars Kicker erspielen sich beim Gold Cup viele Sympathien – doch der Wüstenstaat bleibt in der Kritik

Berlin – Gut gelaunte Fans jubeln in die Kamera und zeigen Trikot und Schal. Einer trägt Sombrero und hat einen goldenen WM-Pokal in der Hand. Es ist ein nettes Image-Filmchen, das der katarische Fußball-Verband in dieser Woche verbreitete. Positive Eindrücke vom Gold Cup, der Kontinentalmeisterschaft Nord- und Mittelamerikas sowie der Karibik, an dem der WM-Ausrichter als Gast teilnimmt – und sportlich für Aufsehen sorgt. An diesem Freitag bestreitet Katar das Halbfinale gegen die USA. „Wir haben noch einen Schritt vor uns. Wir wollen den Pokal holen“, sagte Katars Homam Elamin. Der fußballerische Aufschwung soll in Erinnerung bleiben.

Es steckt aber mehr dahinter als eine nette Geste der Konföderation Concacaf, die nicht zum ersten Mal fremde Nationen zu ihrer Meisterschaft einlädt. Auf Verbandsebene ist vieles miteinander verwoben. Katars staatliche Fluggesellschaft Qatar Airways ist seit Juli ein wichtiger Partner, ein viel Geld bringender Sponsor. Indes: In Deutschland hatte allein das Gerücht, der Deutsche Fußball-Bund würde mit Qatar Airways verhandeln, für große Empörung gesorgt.

Der Golfstaat steht seit Jahren wegen der Menschenrechtslage und den Bedingungen für Gastarbeiter in der Kritik. Vor den ersten WM-Qualifikationsspielen hatte auch die deutsche Nationalmannschaft im März protestiert. „Human Rights“ stand vor einer Partie auf den T-Shirts der Nationalspieler. Katar bestreitet die Vorwürfe vehement.

Sportliche Erfolge gehören seit jeher zur Imagestrategie des Landes. Und die Fußball-Auswahl liefert. Nicht selten wurden beim Gold Cup jubelnd die Flaggen in kastanienbraun und weiß mit den neun Zacken auf den Tribünen in den US-amerikanischen Stadien geschwenkt. Der frühere US-Nationalspieler und Experte Alexi Lala sagte bei „Fox Sports“: „Es macht Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen.“

Der Auswahl von Trainer Félix Sánchez bietet sich eine große Chance: Noch nie hat eine als Gast angetretene Nation den Gold Cup gewonnen, auch nicht die 2003 als damaliger Weltmeister angetretenen Brasilianer. „Mit einer kämpferischen Leistung wie dieser haben wir es verdient, im Halbfinale zu stehen“, sagte der 45-jährige Spanier. Die Medien im Golfstaat, die streng kontrolliert werden oder sich einer Selbstzensur unterwerfen, feierten ihre Mannschaft. Das Sánchez-Team habe „Geschichte geschrieben“, urteilte die Zeitung „Al-Raja“.

Im Gegensatz zur Handball-Nationalmannschaft, bei der das Gros des Aufgebots international eingekauft wurde, sind die meisten Fußballer tatsächlich im Staat am Persischen Golf geboren. Bei den Kickern ist das Anheuern von Nationalspielern nicht möglich. Deswegen ist der Erfolg höher einzuschätzen.

Mit einer Einschränkung: Viele Nationalspieler Katars genießen als Nachkommen von Gastarbeitern und Einwanderern nicht alle Rechte und Privilegien. Denn die volle Staatsbürgerschaft wird in Katar nur etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung gewährt. Die anderen 90 Prozent gelten als Ausländer. So bekommen solche Sportler nur einen „Mission Passport“.

Danyel Reiche, Katar-Experte für Sport, sieht den Weltverband FIFA in der Pflicht, der aber nichts unternimmt: „Die Verbände sind gefragt, einheitliche Regeln zu machen, die dann weltweit gelten.“

Unabhängig davon ist die katarische Fußball-Liga inzwischen die Heimat einiger Stars geworden, die ihre Karriere ausklingen lassen möchten. Der spanische Welt- und Europameister Javi Martinez wechselte unter anderen vor kurzem vom FC Bayern zum Qatar SC.

Im Nationalteam ist die Mannschaft der Star. Mit gerade einmal 3,5 Millionen Euro Marktwert ist Akram Afif von Al Sadd SC der teuerste Profi. Zweifellos ist die USA nicht nur wegen des Heimvorteils im Kampf um den Einzug ins Endspiel der klare Favorit. Dennoch hat die katarische Nationalmannschaft Herzen erobert. Und deswegen ist Almoez Alis Torjubel mit den Händen zu einem Herzen geformt nicht nur ein symbolischer Fingerzeig. Die Kritiker weltweit wird das aber sicher nicht verstummen lassen  dpa

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