Rifu – Stefan Kuntz war nach dem bitteren Olympia-K.o. der deutschen Fußballer restlos bedient und redete sich in Rage. Der DFB-Coach schimpfte über die Restriktionen der japanischen Gastgeber, den Schiedsrichter und ließ nebenbei auch seine Zukunft als Chef der U 21-Auswahl offen. „Wir waren kaserniert, eingesperrt, durften nicht auf die Straße gehen. Wir durften nur nach langem Hin und Her einen Balkon mal öffnen lassen. Da muss ich sagen: Da hätte ich gern mehr olympisches Flair gehabt“, monierte Kuntz nach dem 1:1 gegen die Elfenbeinküste, wodurch das DFB-Team als Gruppendritter das Viertelfinale verpasste. Benjamin Henrichs sorgte mit einem Eigentor für den Rückstand 67.), Eduard Löwen glich per Freistoß aus (73.).
52 Tage nach dem Triumph bei der U 21-Europameisterschaft erlebte Fußball-Deutschland einen ganz anderen Stefan Kuntz. Keine Ausgelassenheit, sondern Aufgewühltheit. Die Olympia-Mission hatte dem Coach schwer zugesetzt. „Wir haben die Menschen hier sehr freundlich kennengelernt. Ansonsten war von dem olympischen Gefühl aus meiner Sicht überhaupt nichts vorhanden, außer bei den zwei Besuchen im Olympischen Dorf“, so Kuntz.
Auch Schiedsrichter Leodan Gonzalez aus Uruguay bekam eine Breitseite ab. „Im Sinne des Fußballs wäre es auch gut, wenn man dafür sorgt, dass das Spiel schneller fortgesetzt wird“, sagte Kuntz. Andere Zuschauer, die mit der deutschen Mannschaft nichts zu tun gehabt hätten, seien bestimmt eingeschlafen: „Das Zeitspiel war schon ausgeprägt.“
Bei dem ganzen Ärger – Verletzungen und Rote Karten waren während des Turniers bei einem Mini-Aufgebot hinzugekommen – wollte Kuntz auch gar nicht auf seine Zukunft als U 21-Coach eingehen. „Wenn ich jetzt nach dem Spiel sofort was zu meiner Zukunft sagen könnte, wäre ich nicht bei dem Spiel gewesen“, betonte der 58-Jährige. Er mache sich Gedanken, wenn er ausgeruhter sei. Seine Spieler würden es jedenfalls bedauern, wenn er aufhörte. „Falls es das letzte Spiel von Stefan Kuntz war, ist es bitter. Er hat uns zu einer Einheit geformt“, sagte Jordan Torunarigha.
Trainer wie Spieler beschworen den Zusammenhalt. Doch es sollte nicht reichen – trotz guter Chancen. Am Ende blieb Platz drei in Gruppe D, nachdem Deutschland vor fünf Jahren bei den Sommerspielen in Rio noch Silber geholt hatte. „Ich bin im Nachhinein stolz auf die 18 Spieler, die sich zu Olympia bekannt haben“, lobte Kuntz seine Schützlinge, die „Mentalität, Einstellung und Mut“ gezeigt hätten. Max Kruse sprach von einem „tollen, aber viel zu kurzen Erlebnis“ bei Olympia. dpa