GLOSSE
Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus bei Olympia. Nicht nur über die neuen Sportarten, sondern auch über die neuen Disziplinen in altvertrauten Sportarten. Mixed-Staffel in der Leichtathletik, Teamwettbewerb im Judo, gemischte Mannschaften auch im Bogenschießen, Triathlon, sogar im Segeln in der Klasse „Nacra 17“, was eher nach Netflix-Serie als nach Sport klingt.
Einzel- zu Teamwettbewerben zu machen – der neue Trend. Manchmal entsteht etwas Gutes. Mit wohligem Schaudern erinnern wir uns an den Eisschnelllauf, wo erstmals 2006 die Strecke von drei LäuferInnen bewältigt werden musste und eine entkräftete Anni Friesinger die letzten 30 Meter wie ein Meerestier über die Bahn glitt und die Kufe so vorstreckte, dass es Gold wurde.
Doch die meisten Mannschaftswertungen sind nichts anderes als das Zusammenrechnen von Einzelleistungen. Das ist fantasielos. Auch wenn es den Beteiligten einen Riesenspaß bereitet wie dem sechsköpfigen und mit Bronze dekorierten deutschen Judo-Team.
„Judo Mannschaft“ – hatten wir uns anders vorgestellt. Sechs gegen sechs gleichzeitig, eine zünftige Bud-Spencer-Film-Rauferei, in der die Männer sich die Männer und die Frauen sich die Frauen schnappen. Ein (Rassel-)Banden-Konflikt auf der Matte. So aber sind es einfach Kämpfe nacheinander, wie immer.
Eine wirkliche Innovation wäre ein Teamwettbewerb im Wasserspringen. Wie er funktionieren könnte? Jede ordentliche Anlage hat einen Zehner- und einen Fünfer-Turm, ein Dreier- und ein Einser-Brett. Gesprungen wird von allen gleichzeitig, die vier Schwierigkeitsgrade werden zusammengerechnet, für synchrones Eintauchen gibt es Bonuspunkte. Je ein Team für Frauen, für Männer, ein gemischtes. Keine Grenzen.