„Sascha ist am Ziel“

von Redaktion

Mischa Zverev über den Triumph seines Bruders und Selfies mit der Goldmedaille

München – Während des Olympiasiegs von Alexander „Sascha“ Zverev war Mischa Zverev als Kommentator bei Eurosport im Einsatz. Mit unserer Zeitung spricht der 33-Jährige darüber, was die Goldmedaille für seinen Bruder bedeutet.

Mischa Zverev, Sie haben den großen Triumph Ihres Bruders als Kommentator begleitet. Was war das für ein Erlebnis?

Meine Emotionen konnten die Zuschauer ja quasi live miterleben. Das war ganz lustig. Da kann man natürlich nicht sachlich bleiben, wenn der Bruder gerade die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen gewinnt. Aber wissen Sie, was das Emotionalste für mich war?

Verraten Sie es uns.

Ganz klar das Halbfinale. Wenn man dran denkt, gegen wen er da gespielt hat und wie er gewonnen hat, da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut.

Was bedeutet der Olympiasieg für Alexander?

Das Gefühl direkt nach dem Sieg war: Er ist endlich am Ziel angekommen. Im Tennis kann alles passieren, deshalb konnte man sich nach dem Halbfinale auch nicht sicher sein. Nach einem Sieg über Djokovic muss man erst mal die Konzentration hochhalten und sich wieder fokussieren. Und dann war es so ein schönes Spiel. Es war eines seiner besten Spiele jemals, das ist klar. Jede Entscheidung von ihm war richtig. Ob er den langen Ball an die Linie gespielt hat oder den Stop. So was erlebt man auf dem Niveau nicht häufig.

Alexander hat mehrfach betont, dass er nicht für sich selbst spielt. Sondern für Deutschland. War das wichtig für ihn, das noch mal zu betonen?

Das war nichts, was man irgendwie verkaufen muss. Es steckte kein Plan dahinter. Seine Äußerungen waren so was von selbstverständlich und natürlich. Es war einfach die Wahrheit. Er hat das erzählt, was er fühlt. Mein Bruder hat seinen Emotionen freien Lauf gelassen.

Gefühlt sind die Sympathien für Alexander in Deutschland von Sieg zu Sieg gestiegen. Haben Sie das auch so wahrgenommen?

Natürlich merkt man es, wenn das ganze Land mitfiebert. Das hat auch Sascha mitbekommen. Er hat die ganze Stimmung vor Ort aufgesogen. Natürlich waren es besondere Spiele aufgrund der Hygienemaßnahmen. Aber er hat die Atmosphäre im Olympischen Dorf genossen. Die Anfeuerungen während der Spiele haben ihn noch mal zusätzlich gepusht.

Zwischen Halbfinale und Finale hat Alexander sein Handy ausgeschaltet. Wann konnten Sie ihn erreichen?

Wir haben zwischen Matchball und Siegerehrung miteinander gesprochen. Also direkt nach dem Spiel. Viel Zeit hatten wir natürlich nicht. Er meinte dann: Du, ich muss mir jetzt mal meine Goldmedaille abholen gehen.

Ihr Bruder sagte, die Goldmedaille ist für ihn wichtiger als jeder andere Erfolg in seiner Tenniskarriere. Warum ist das so?

Er hat mit der Goldmedaille so viele Selfies gemacht wie mit keinem anderen Pokal. Vermutlich kann er sie schon nicht mehr zählen (lacht). Ganz klar, der Olympiasieg war etwas ganz Wichtiges, das haben wir alle gespürt. Weil der Erfolg hart erarbeitet war und er den Sieg eben nicht nur für sich herausgespielt hat, sondern für ein ganzes Land.

Interview: Nico-Marius Schmitz

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