Tokio – Ordnung ist für Lukas Dauser weit mehr als das halbe Leben eines Kunstturners. Die Sporttasche penibel gepackt, die Badelatschen akkurat neben dem Barren platziert, das ist dem deutschen Mehrkampfmeister wichtig. Nur rasieren wird sich der Unterhachinger am heutigen Dienstag (10.00 Uhr MESZ) vor dem Olympia-Finale an seinem Paradegerät nicht, denn: „Wer rasiert, verliert!“
Doch an den Stoppeln im Gesicht soll seine Medaillen-Mission nicht scheitern. Der BWL-Student kann als einziger Athlet noch verhindern, dass der Deutsche Turner-Bund (DTB) erstmals seit 21 Jahren ohne Medaille von Olympia zurückkehrt. Dass Dauser bei der Qualifikation am Barren die zweithöchste Note erhielt, weckt da durchaus Hoffnungen.
Aus der Ruhe bringen diese Erwartungen den 28-Jährigen nicht. „Viel zu feilen gibt es an meiner Übung nicht mehr. Eigentlich ist die Arbeit getan. Der Rest wird dann im Kopf entschieden“, glaubt Dauser. Und taktieren will er ungeachtet seiner Startposition als Letzter der acht Finalisten auch nicht: „Ich werde unmittelbar vor dem Wettkampf genau wissen, was ich turne.“
Der diesjährige EM-Dritte hat die Wahl zwischen einem Ausgangswert von 6,7 oder 6,8 Punkten. Im Vorkampf lagen zwischen dem zweiten und dem achten Platz gerade mal 0,4 Punkte.
Das könnte sich im Finale, bei dem alle Athleten wieder mit null Zählern beginnen, durchaus wiederholen. Denn der ordnungsliebende Dauser lebt auch über und in der Holmengasse von seiner Akkuratesse. Wobei er die Abwechslung zwischen Schwung- und Halteteilen durchaus schätzt: „Der Barren hat so viele Element-Möglichkeiten, das ist faszinierend.“
Aber er verzeiht auch keine Fehler, wie der Sportsoldat 2019 bei der Heim-WM in Stuttgart leidvoll erfahren mussten. Auch damals hatte er in der Qualifikation die Konkurrenz aufgemischt und sogar die höchste Vornote erturnt. Ein Sturz warf Dauser dann bis auf den achten Platz zurück. Das soll sich in Tokio nicht wiederholen, Dauser setzt auch da auf seinen Aberglauben: Er steigt morgens mit beiden Füßen gleichzeitig aus dem Bett, „damit ich nicht mit dem falschen Bein aufstehen kann“. sid