Was Olympia verändert

Die Frauen sind nicht aufzuhalten

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Nächstes Jahr feiern wir Jubiläum von München 1972, es wird der 50. Geburtstag der unvergesslichen und abseits des Attentats glorifizierten Spiele in Deutschland sein. Wenn wir ins Programm schauen: Frauen durften damals noch nicht viel, ihre längste Laufstrecke waren die 800 Meter, im Schwimmen traute man ihnen nicht mehr als acht Bahnen zu, aufs Rad steigen durften ausschließlich die Männer. Verhältnis von Herren- zu Damenwettbewerben: 132:43. Dass es jetzt in Tokio bei 165:156 steht (dazu Mixed- und offene Wettbewerbe), zeigt schon, dass die Emanzipation gesiegt hat und die Frauen nahezu jedes Terrain erobert haben. Dem gegenüber steht die Zahl von 95 Prozent: So dominierend ist der Anteil der Männer, über die in einer Tageszeitung im Sportteil berichtet wird. Weibliche Helden – selten.

Olympia in Tokio liefert den Anlass, das zu überdenken. Vor allem aus deutscher Sicht. Die Medaillen gehen überwiegend auf das Konto von Frauen, und wer glaubt, in einigen olympischen Orchideen-Fächern, die in nur wenigen Ländern gelehrt werden, sei eine Goldmedaille relativ leicht und mit besserem Hobby-Aufwand zu gewinnen, der sehe sich das Finale des deutschen Frauen-Bahnradvierers an und sage, ob der weniger professionell oder athletisch auftrete als das Quartett der Männer. Eigentlich kann man sie kaum noch voneinander unterscheiden.

Klar: Männer sind kräftiger und schneller, das und ihr Vorsprung bei Zeiten und Weiten werden auch so bleiben. Doch Tokio verändert einiges in den Sportarten, die nicht geschlechtsspezifisch ausgeschrieben sind, aber bislang wie selbstverständlich männlich dominiert waren. Julia Krajewski hat als erste Frau, die in der anspruchsvollen Vielseitigkeitsreiterei Gold gewann, Geschichtsträchtiges geleistet, und in der Dressur haben die Damen triumphiert wie nie zuvor. Es setzte sich ja bis zu den Pferden fort: Die Hengste hatten keine Chance gegen die Stuten.

Die Sportlandschaft in Deutschland (aber nicht nur hier) sortiert sich neu mit diesen Olympischen Spielen. Dass Frauen außergewöhnlich leistungswillig und -fähig sind, sollte sich denn auch in den Führungsetagen der Verbände und bei der Besetzung von Sportdirektorenposten ausdrücken. Es spricht nichts dagegen.

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