Tokio – Geschockt nach dem geplatzten Traum vom Olympia-Gold trotteten die deutschen Hockey-Herren mit geröteten Augen in die Kabine. Unter dem Flutlicht des Oi Hockey Stadiums hatte das Team um Kapitän Tobias Hauke zuvor in traurigen Umarmungen Trost nach dem 1:3 (1:2) gegen Australien im Halbfinale von Tokio gesucht. „Wenn man so viel Herz reinschmeißt, dann läuft man Gefahr, dass es auch mal zerbricht“, sagte Bundestrainer Kais al Saadi und versprach: „Aber ab morgen kleben wir es zusammen.“ Zumindest Bronze ist am Donnerstag (3.30 Uhr MESZ) im Spiel um Platz drei gegen Indien noch möglich. Durch das bittere Aus der Damen schon im Viertelfinale droht dem deutschen Hockey nun sogar das erste Olympia ohne Medaille seit 21 Jahren. Zuletzt hatte die Herren-Auswahl viermal in Serie Edelmetall bei Sommerspielen geholt. In Sydney 2000 waren letztmals beide deutschen Teams leer ausgegangen.
„Die Medaille ist wahnsinnig wertvoll, das realisiert man, wenn man Dritter geworden ist und auf dem Treppchen gestanden hat“, sagte Routinier Florian Fuchs. Nach einer durchwachsenen Vorrunde hatte die deutsche Auswahl mit dem 3:1 im Viertelfinale gegen Rio-Olympiasieger Argentinien Hoffnungen geweckt, wie zuletzt 2008 und 2012 sogar wieder nach Gold greifen zu können. Allerdings hatte der Weltranglistenerste Australien zuvor in Tokio noch nicht verloren und legte wie gewohnt mächtig los.
Tim Brand schloss schon in der siebten Minute mit der Führung ab. Die deutsche Mannschaft ließ sich nicht irritieren und kam nach einer Strafecke durch Lukas Windfeder zum Ausgleich (10.). Blake Grovers leitete mit dem 1:2 jedoch die deutsche Niederlage ein. dpa