Goldjunge im Feierstress

von Redaktion

Tennis-Held Zverev wird in München überrascht – und vergisst seine Schläger

VON DANIEL MÜKSCH

München – Plötzlich frieren Alexander Zverev die Gesichtszüge ein. Als ihn unsere Zeitung fragt, wie viel Lust auf Tennis er denn gerade habe, schießt es dem Olympiasieger von Tokio in den Kopf: „Oh mein Gott, ich habe meine Schläger am Gepäckband vergessen!“ Auch eine Antwort. Groß kann die Lust nicht sein, wenn die Schläger im Sicherheitsbereich von Terminal 2 am Franz-Josef-Strauß-Flughafen ein derart einsames Dasein fristen.

Doch das Missgeschick sollte die einzige negative Überraschung am Montagabend bleiben. Sonst hatte Bruder Mischa allerlei positive Aufreger für den deutschen Tennis-Helden parat. Allen voran das erste Wiedersehen nach Olympia mit den Eltern – Vater Alexander senior und Mutter Irina. Mittags spaziert das Paar noch durch Monte Carlo, als Mischa aufgeregt anruft und sagt: „Ihr müsst sofort zum Flughafen aufbrechen. Wir überraschen Sascha am Münchner Flughafen.“ Gesagt – getan. Nicht fehlen durften freilich die Familienhunde Lövik und Junior. Auch die beiden wurden extra aus dem Fürstentum eingeflogen. Ebenso vor Ort: die ehemalige Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki, die ihren Zweitwohnsitz in München hat und nach ihrem Kreuzbandriss wieder versucht, in Form zu kommen. Sie hatte den Aufruf von Mischa Zverev in den sozialen Medien gelesen und war spontan zum Flughafen aufgebrochen.

Um 23.11 Uhr schreitet Zverev (ohne seine Schlägertasche) durch die große Automatiktür in den Besucherbereich des Terminals 2. Fällt Mischa in die Arme. Steckt ihm die Goldmedaille in die Hand. „Olympiasieger“ – mehr bekommt der Heimkehrer nicht heraus als sich die beiden drücken. Die Eltern verstecken sich da noch auf dem großen Platz zwischen den Terminals hinter gut hundert Fans. Die machen ordentlich Lärm, als sie ihren Goldjungen erspähen. Doch dann erkennt Zverev seine Eltern. Zeit für große Gefühle und Gänsehaut. Alexander senior kann die Tränen nicht zurückhalten, während er seinen Sohn ganz fest an sich reißt. Wenig später hat sich zumindest der Tennisprofi wieder gefangen und sagt zu dem gigantischen Trubel um seinen Erfolg: „Das Größte, was ich in meiner Karriere bisher erlebt habe.“ Und der Trubel wird in den nächsten Tage nicht weniger.

Schon am Dienstag stieg er mittags wieder in den Flieger. Für einen Empfang im Rathaus seiner Geburtsstadt Hamburg. Danach ging es prompt wieder zurück nach München. Hier stehen noch einige Sponsorentermine auf dem Plan. Womöglich trifft er auch auf Thomas Müller, mit dem Zverev im Münchner Rothof schon mal ein paar Bälle geschlagen hat. Daher ließ es sich Müller nicht nehmen, Zverevs Triumph so zu kommentieren: „Das gemeinsame harte Training hat sich ausgezahlt!“ Für den Angesprochenen kein Problem. Allerdings kontert er: „Dann gehört mir aber auch ein Teil seiner Weltmeisterschaft und vom Champions-League-Sieg.“

Vom Tennis will sich Zverev erst mal eine Pause gönnen. „In Kanada werde ich nicht spielen“, so Zverev am Flughafen München zu seinen sportlichen Plänen. Am 9. August startet das Masters in Toronto – ohne den deutschen Olympiasieger.

Besser als auf seine Schläger passt der 23-Jährige derzeit auf seine Goldmedaille auf. Im Flieger nach Deutschland hat er sie zwar abgenommen, jedoch gut in T-Shirts eingewickelt – aus Angst vor Kratzern.

Aber selbst wenn das gute Stück im Feiermarathon der nächsten Tagen ein paar Schrammen abbekommt: Ihren Glanz wird diese Medaille niemals verlieren.

Artikel 1 von 11