Mann umarmen, Party feiern, Familie gründen

von Redaktion

Nach dem letzten Ringkampf: Was für Olympiasiegerin Aline Rotter-Focken jetzt im Leben zählt

Tokio – Am ersten Tag als Ex-Ringerin fieberte Aline Rotter-Focken noch einmal mit ihrem alten Freund Frank Stäbler mit. Zusammen sind einst in Urlaub gefahren. „Ist doch klar, dass ich Frank die Daumen drücke“, sagte die 30-Jährige nach dem größten Tag ihrer Karriere.

Stäbler war über Jahre der bekannteste Name im deutschen Ringen. Nun kommt Rotter-Focken bei den Frauen hinzu. Nach dem Triumph in Japan verlässt auch sie für immer die Matte, doch ihr Erfolg soll eine Signalwirkung haben. Und daher hatte Rotter-Focken vor dem erwarteten Party-Marathon in der Wahlheimat Schwarzwald auch eine Botschaft.

„Es ist vollkommen egal, welche Sportart du betreibst – du kannst es auch als Frau“, sagte Rotter-Focken, die in der Jugend oft belächelt worden war: „Ich hoffe, dass diese Medaille dem deutschen Ringen, besonders den Frauen hilft. Dass mehr Eltern ihre Töchter zum Ringen schicken, dass sie sich trauen, einen Sport zu machen, der wirklich hart ist, der sich aber lohnt, betrieben zu werden.“

Rotter-Focken hatte sich immer wieder von neuem gequält und auch das frühe Aus bei Olympia 2016 weggesteckt, als sie an ihren Nerven gescheitert war. Nun folgte im letzten Kampf der Karriere der verdiente Lohn, und die Zukunft kann beginnen. Die Pläne stehen jedenfalls: Ehemann Jan umarmen, eine Party im Schwarzwald feiern – und irgendwann eine Familie gründen.

Ein großer Bahnhof in der Wahlheimat Triberg ist der gebürtigen Krefelderinsicher. „Ganz Triberg ist stolz auf sie. Sie ist ein Glücksfall für die Wasserfallstadt“, sagte Bürgermeister Gallus Strobel dem Schwarzwälder Boten und versprach: „Wir werden uns nicht lumpen lassen. Die Banner zu ihrer Begrüßung sind bereits bestellt.“

In Empfang nehmen wird sie dann auch Ehemann Jan, mit dem Rotter-Focken während der Corona-Pandemie viele Stunden in leeren Hallen trainierte. „Ich bin einfach nur froh und stolz, dass Alines letzter offizieller Kampf auch ihr zugleich wertvollster Sieg wurde“, sagte Jan Rotten, der die Entscheidung mit Familie, Fanclub und Vereinsmitgliedern im Triberger Kino verfolgte.

Ganz in der Nähe wird Rotter-Focken ihr neues Leben beginnen. Vorgesorgt hat sie, im nahen Schonach arbeitet sie als Gesundheitsmanagerin. Und schon bald soll dann Nachwuchs kommen. „Das“, sagte Rotter-Focken, „ist nach der Goldmedaille mein zweiter großer Lebenstraum.“  sid

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